Mönchengladbach: Akten zu schwer für Amtsgebäude?
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 28.11.2009Mönchengladbach (RPO). Die Stadt will das ehemalige Rheydter Finanzamt nicht mieten, weil es statische Probleme gibt. Nach ersten Berechnungen sind die Akten zu schwer für die Statik des Gebäudes. Weitere Gutachter sind eingeschaltet. Der Stadttochter EWMG als Käufer drohen teure Investitionen.
Als das Finanzamt sein neues Domizil im Nordpark bezog und die Rheydter Zweigstelle an der Wilhelm-Strauß-Straße verließ, stand der neue Mieter des Altgebäudes bereits fest: Die Stadtverwaltung, die in Mönchengladbach auf mehr als 20 Standorte verteilt ist, wollte in Rheydt Ordnungsamt und Rechnungsprüfungsamt unterbringen. Die städtische Tochter Entwicklungsgesellschaft (EWMG) kaufte dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) das alte Rheydter Finanzamt ab. Jetzt sieht es ganz danach aus, als könnte die EWMG auf dem Gebäude aus den Anfängen der 50er Jahre sitzenbleiben. Die Stadt als Mieter ist – vorerst – abgesprungen. Der Grund sind statische Probleme. Statiker befürchten, dass die Böden die schweren Aktenschränke der Verwaltung nicht aushalten. "Die Stadt wird den Mietvertrag nicht unterzeichnen", bestätigte Oberbürgermeister Norbert Bude gestern der RP.
Bis vor einigen Monaten saßen im Gebäude an der Wilhelm-Strauß-Straße noch rund 100 Mitarbeiter der Finanzbehörde. Auch sie hatten Aktenschränke, und in früheren Jahren befand sich auch ein schwergewichtiger Tresor in einem der Stockwerke. Als vor einigen Jahren ein Aufzug am Gebäude angebaut wurde, haben Experten vermutlich – zumindest für diesen Gebäudeteil – die Statik überprüft. Beanstandungen scheint es keine gegeben zu haben. Doch als jetzt städtische Fachleute die Räume noch einmal begutachteten, weil sie den Umzug der beiden Ämter vorbereiten wollten, kam ihnen die ganze Sache spanisch vor. Sie stellten Berechnungen zu den erwarteten Belastungen an und signalisierten danach: Aus statischen Gründen müssen wir warnen und empfehlen dringend weitere Untersuchungen. EWMG und Stadtspitze fielen aus allen Wolken. "Man sei entsetzt gewesen", hieß es gestern bei der EWMG.
Derzeit suchen Mitarbeiter der Duisburger Zweigstelle im Bau- und Liegenschaftsbetrieb nach Unterlagen. Das ist nicht so einfach. Es ist fraglich, ob das Gebäude, das im Laufe der Jahre unterschiedlich genutzt wurde, überhaupt jemals statisch überprüft wurde. Es ist nicht auszuschließen, dass die Situation auch bereits für die Mitarbeiter der Finanzbehörde kritisch war – ohne dass diese davon wussten. Der seit 2001 existierende BLB in Duisburg will bei ehemaligen Mitarbeitern der Landes-Liegenschaftsverwaltung nachhören, ob sie Hintergründe kennen.
Für die städtische EWMG ist das ein heißes Eisen. Denn sie kommt vermutlich nur dann unbeschadet aus der Nummer wieder raus, wenn sie nachweisen kann, dass die Mängel bereits bekannt waren. Ansonsten könnte sich der Kauf des ehemaligen Rheydter Finanzamtes für die EWMG und damit für die Stadt zu einem teuren Geschäft entwickeln – wenn denn die jetzt beauftragten Gutachter die Ergebnisse städtischer Fachleute bestätigen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







