Mönchengladbach: Aktion gegen Telefon-Abzocke
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 13.08.2009Mönchengladbach (RPO). Täglich melden sich zehn bis 15 Opfer von unzulässiger Telefonwerbung bei der Verbraucherberatung – und das trotz Verbots. Einigen Senioren räumten Betrüger das komplette Konto ab. Jetzt wollen Verbraucherschützer eine Klage starten.
Verbraucherschützerin Ursula Winbeck erinnert sich gut an den Fall: Da besuchte ein Berliner seine Mutter in Mönchengladbach und musste bei der Kontrolle ihrer Bankauszüge feststellen, dass auf dem Konto 3000 "Miese" waren. Sage und schreibe 39 dubiose Anbieter von Gewinnspielen hatten der ahnungslosen älteren Frau regelmäßig größere und kleinere Beträge abgebucht. Wie die Firmen an die Bankdaten der Mönchengladbacherin kamen, ist ungewiss. Edda Nowak von der Verbraucherberatung ist aber sicher: Das waren Abzocker, die sich unerlaubt Zugang zu den Daten schafften.
Täglich melden sich in der Verbraucherberatungsstelle Mönchengladbach bis zu 15 Opfer von unerlaubter Telefonwerbung. "Wir hatten schon einige hier, die nichts mehr auf dem Girokonto hatten", sagt Ursula Winbeck. Dabei ist der Telefonterror eigentlich seit dem 4. August verboten. "Doch davon merken wir nichts", sagt Edda Nowak. Und Hanna Masuhr, Leiterin der Verbraucherberatung, ergänzt: "Wir hatten sogar den Eindruck, dass die Firmen in den vergangenen Wochen noch einmal richtig aufgedreht haben."
Kontakt
Beratungsstelle Mönchengladbach, Bahnhofstraße 21, Tel. 02166 49000, Fax 02166 48911
Öffnungszeiten montags von 9 bis 18 Uhr, dienstags von 9 bis 15 Uhr, mittwochs geschlossen, donnerstags von 9 bis 18 Uhr und freitags von 9 bis 15 Uhr
Internet www.vz-nrw.de/Moenchengladbach (hier gibt es auch mehr Informationen zum Thema unerlaubte Telefonwerbung)
In der Beratungsstelle an der Bahnstraße in Rheydt versucht man, den Opfern so gut wie möglich zu helfen: Die Firmen, oft mit Sitz in der Schweiz, Lichtenstein oder Österreich, werden angeschrieben. Per Lastschrift eingezogenes Geld wird, wenn möglich, zurückgebucht.
Doch nun sollen stärkere Geschütze aufgefahren werden. Verbraucherschützer wollen die Firmen mit den gemeinen Abzockermethoden verklagen. Dafür brauchen sie Unterstützung. In der Verbraucherberatungsstelle liegen jetzt "Telefonkarten" für Bürger aus, die den Kampf gegen die Betrüger mit aufnehmen wollen. Wer demnächst unerlaubt angerufen wird, sollte Fragen stellen und sich Notizen machen. Die Angaben werden bei der Verbraucherzentrale gesammelt, die mit Abmahnungen und Unterlassungsklagen gegen die Unternehmen vorgehen will.
Auf das Frage- und Antwortspiel sollten sich aber nur Menschen einlassen, die sich trauen, es mit den geschulten Telefonisten aufzunehmen, sagt Edda Nowak. "Wer unsicher ist, legt lieber gleich auf." Denn eins scheint sicher: Die Abzockmethoden werden immer unverschämter. Jetzt würden Betrüger schon Kontrakte anbieten, die angeblich vor unerlaubten Telefonanrufen schützen. Edda Nowak: "Die wollen auch nur Geld abbuchen." 88 Euro sind es in diesem Fall.
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