Mönchengladbach: Aldi steht morgen vor dem Arbeitsgericht
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 19.05.2010Mönchengladbach (RPO). Tanja Seifert möchte sich im Moment nicht öffentlich zu ihrem Rausschmiss äußern. Denn morgen um 10 Uhr kämpft sie vor dem Mönchengladbacher Arbeitsgericht gegen Aldi für ihre Rechte.
Die Angestellte einer Eickener Aldi-Filiale hatte sich geweigert, an einem Samstag deutlich länger zu arbeiten als ursprünglich vereinbart. Als Grund hatte die alleinerziehende Mutter angegeben, sie habe über die vereinbarte Zeit hinaus keine Betreuung ihre beiden neun und 13 Jahre alten Kinder. Als sie von ihrem Chef und dem Aldi-Bezirksleiter massiv unter Druck gesetzt wurde, erstattete die 32-Jährige Anzeige bei der Polizei. Und erhielt prompt die fristlose Kündigung.
"Diese Fälle gibt es im Lebensmittelbereich leider immer wieder", sagte gestern Sabine Busch auf Nachfrage der RP. Die Verdi-Gewerkschaftssekretärin sieht allerdings im Fall Tanja Seifert einen entscheidenden Unterschied: "Außergewöhnlich ist ihre Wehrhaftigkeit." Und sie ist sich sicher: "Diese Frau muss unter ganz massivem Druck gestanden haben. Sie wird keinen anderen Ausweg gesehen haben."
Seit der Lockerung der Ladenöffnungszeiten sei es gerade für weibliche Angestellte immer schwieriger, Beruf und Familie unter einen Hut zu kriegen. "Es gibt im Lebensmittelhandel effektiv keine festen Arbeitszeiten mehr." Leider seien die Mitarbeiter von Aldi-Süd nicht gewerkschaftlich organisiert. "Wir würden uns sofort einschalten und uns bemühen, das Arbeitsverhältnis zu retten", sagt Sabine Busch. "Ohne Betriebsräte sind die Aldi-Mitarbeiter jeglicher Willkür ausgeliefert."
Das scheint auch in Tanja Seiferts Fall so gewesen zu sein. Aus ihrem Umkreis wird berichtet, dass sie unter ständigem Druck gelitten habe. Immer wieder habe sie Überstunden gemacht, dennoch Angst gehabt, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Sie hat sich gewehrt, jetzt läuft das Ermittlungsverfahren gegen die Leitung von Aldi – wegen Nötigung.
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