Mönchengladbach: Alkohol-Verbot für den Zug
VON RALF JÜNGERMANN UND BENEDIKT PETERS - zuletzt aktualisiert: 20.06.2009Mönchengladbach (RPO). Die 4000 Teilnehmer beim Veilchendienstagszug dürfen nicht mehr öffentlich trinken. Dafür wollen die Karnevalisten sorgen. Bierflaschen und Schnaps sollen verboten werden. Angetrunkene dürfen nicht mitziehen.
Fußgruppen, die den Zuschauern mit Bierflaschen zuprosten, Bierfässer, die auf Bollerwagen mitgezogen werden, Schnapsflaschen, die die Runde machen – Karnevals-Boss Bernd Gothe kennt diese Bilder. Und er will sie nicht mehr sehen. "In Zeiten, in denen wir fast täglich von Alkoholexzessen bei Jugendlichen lesen, müssen auch wir Karnevalisten unserer Vorbildfunktion gerecht werden", sagt Gothe. Und das heißt: Niemand soll mehr mit Bierflaschen im Zug und auf den Wagen dabei sein. So sieht es ein Entwurf vor, den der Vorsitzende des Mönchengladbacher Karnevals Verbandes (MKV) bei der Jahreshauptversammlung vorstellte und der auf breite Zustimmung stieß.
Veilchendienstagszug
Teilnehmer mehr als 4000 Karnevalisten zogen in diesem Jahr in den 79 Wagen und 122 Fußgruppen mit
Zuschauer etwa 350.000
Besonderheit Der Mönchengladbacher Zug ist die größte deutsche Karnevals-Veranstaltung am Veilchendienstag
Termin 2010 im kommenden Jahr findet der Zug am 16. Februar statt.
Ein komplettes Alkohol-Verbot wollen die Karnevalisten zwar nicht aussprechen, den Konsum aber stark eindämmen. Keiner habe etwas dagegen, wenn jemand auf den fünf Kilometern Zugweg auch ein Bier trinke, so Gothe. "Dann aber bitte aus Pappbechern und nicht plakativ aus Bierflaschen." Bei der Videoauswertung des Zuges vom letzten Jahr sah Gothe viel zu viel Alkohol. Auch auf einigen Wagen, zum Beispiel dem der Jungen Union, ging es erkennbar hoch her. "Wie wirkt das denn auf die Kinder und Jugendlichen?", fragt Gothe.
Darum soll, per Satzung geregelt, schon beim nächsten Zug am 16. Februar 2010 gelten: Bierflaschen und Schnaps werden verboten. Ordner sollen dafür sorgen, dass Angetrunkene nicht mitziehen. "Die werden wir auch während des Zugweges aus dem Verkehr ziehen", kündigt Gothe an.
Auf das Alkoholproblem hingewiesen hatte Dr. Michael Schmitz, Dezernent für Jugend und Soziales. "So, wie sich einige Zugteilnehmer verhalten, entsteht der Eindruck, Alkohol und Karneval gehören untrennbar zusammen", meint Schmitz. Wenn die Karnevalisten mit gutem Beispiel vorangingen, reduziere sich vielleicht sogar die Zahl der Alkoholexzesse bei Jugendlichen.
Maßnahmen, um das zu erreichen, sind in der Mönchengladbacher Prinzengarde schon Gang und Gebe. "Wenn jemand von uns auf einer Veranstaltung zu viel getrunken hat, schicken wir ihn sofort nach Hause", erklärt der Vorsitzende, Horst Trumm.
Flaschenbier sei bei den Gardisten schon lange verboten, besonders auf Zügen. Ein ähnliches Durchgreifen wünscht er sich auch bei den anderen Karnevalsgesellschaften. "Bei Vereinen, die weiterhin negativ auffallen, muss man auch über deren Ausschluss vom Veilchendienstagszug nachdenken."
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