Mönchengladbach: Altenheim auf der Kippe
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 01.05.2007Mönchengladbach (RPO). Ein Geschäftsmann erhob Einspruch gegen das neue Giesenkirchener Altenheim. Sechs Millionen Euro will der Caritasverband in das Projekt an der Konstantinstraße stecken. Nun wird der Neubau blockiert.
Menschen im Heim
Situation Etwa 6000 Menschen sind pflegebedürftig, 2200 davon leben in Heimen, alle anderen werden zu Hause betreut. Die Zahl der Heimbewohner, die gerontopsychiatrisch verändert sind, ist von 2000 bis heute von 68 auf rund 80 Prozent gestiegen
Heimträger Die städtische Sozialholding betreibt fünf Heime. Acht Häuser sind in privater Trägerschaft. 14 Heime sind in frei-gemeinnütziger Trägerschaft (zum Beispiel Caritas, Diakonie).
Planung Sozialplanung und Bauamt begutachten neue Projekte.
Der Verhandlungsmarathon dauerte mehrere hundert Stunden. Am Ende war das Ergebnis so brauchbar, dass sich Giesenkirchens Bezirksvorsteher Frank Boss zufrieden die Hände rieb. „Das neue Giesenkirchener Altenheim kann ab Juli gebaut werden“, verkündete er. Das war im Februar. Jetzt bewahrheitete sich, was Boss damals beiläufig anfügte: „Wenn nicht noch jemand quer schießt.“ Genau das ist geschehen – mit der traurigen Konsequenz, dass sich der Baubeginn nicht nur verzögert, sondern das Projekt stark gefährdet ist.
Caritasverband macht Druck
Denn der Gladbacher Caritasverband, der den Ersatzneubau für rund sechs Millionen Euro finanziert, will die Reißleine ziehen, wenn nicht ganz schnell noch ein Umdenken stattfindet. Ende Mai hat Boss deshalb zu einer großen Runde alle die eingeladen, die mit ihren Einsprüchen den Neubau verhindern. Wenn es nicht kurzfristig eine Einigung gibt, will Boss einen Schlussstrich ziehen: „Dann müssen wir ganz ernsthaft über einen anderen Standort nachdenken. Das ist zwar schade, aber der Caritasverband kann das Projekt nicht mehr länger hinausschieben.“
Denn Otto Nieswand, Geschäftsführer des Wohlfahrtsverbandes, macht Druck. Jede zeitliche Verschiebung macht die Finanzierung des Projekts schwieriger. Außerdem drängen die 80 im Altenheim an der Konstantistraße lebenden Senioren und ihre Angehörigen darauf, dass sich baldigst an der Wohnsituation etwas ändert. Boss: „Der Konkurrenzkampf ist so groß, dass sich kein Anbieter mehr eine schlechtere Ausstattung leisten kann. Da suchen sich die Heimbewohner ganz schnell etwas Neues.“
Die Probleme, die er in den vergangenen Monaten mit großem Verhandlungsgeschick löste, kehren nun in etwas anderer Form wieder. Damals war es der Besitzer eines rund 30 000 Quadratmeter großen Parkgeländes mit einer unter Denkmalschutz stehenden Villa, der sich gegen den Neubau an seiner Grundstücksgrenze wehrte. Er konnte besänftigt werden, als ihm erlaubt wurde, auf seinem Gelände bei Bedarf mehrere Bauten zu errichten. Dann waren es zwei Gewerbebetriebe, die Zugeständnisse wollten und die Handwerkskammer einschalteten. Auch diese Probleme sind vom Tisch. Allerdings hatte dies zur Folge, dass sich die Bezirksregierung einschaltete und nun noch eine Kontrolle der Lärmdaten verlangt.
Der jüngste Einwand kommt von einem Geschäftsmann, der eine mögliche Ausweitung seines Betriebs bedroht sieht. Frank Boss ist zum Handeln entschlossen: „Wenn wir uns beim Treffen Ende Mai nicht einigen, werden wir anders entscheiden.“ KOMMENTAR
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