Mönchengladbach: Altenheim-Skandal weitet sich aus
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 24.06.2010 - 18:24Mönchengladbach (RPO). Auch aus den Altenheimen in Holt und Pongs werden Vorwürfe gegen den Caritasverband laut. Die Klagen sind nahezu identisch mit denen in Giesenkirchen. Die Mitarbeitervertretung des Bistums hat sich eingeschaltet.
Am Donnerstag hat sich die Diözesane Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen im Bistum Aachen zu den Vorwürfen gegen die Geschäftsführung des Caritasverbandes geäußert. „Schon seit Monaten erreichen uns immer wieder Informationen aus dem Altenheim Giesenkirchen.
Es wird geklagt über das belastete Arbeitsklima und die vergiftete Atmosphäre zwischen Geschäftsführung und Belegschaft“, schreibt der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Josef Wählen. Und: „Wir betrachten die Situation in diesem Altenheim mit großer Sorge.“
Angst vor Repressalien
Inzwischen kommen aus zwei weiteren Einrichtungen der Caritas Meldungen über Missstände. Roland Heerstrass besucht täglich seine Mutter im Altenheim Am Martinshof in Pongs. „Die Krankenstände sind auch in der Pongser Einrichtung enorm hoch. Das Personal wird innerhalb der einzelnen Etagen ausgetauscht. Oftmals sind lediglich zwei Pflegedienstkräfte für etwa 30 bis 40 Bewohner auf den einzelnen Etagen. Das gilt insbesondere am Abend“, sagt er. „Die alten Menschen sind teilweise sauer, sagen aber nichts, weil sie Angst vor Repressalien haben. Sie wissen auch inzwischen, welchem Druck die einzelnen Mitarbeiter ausgesetzt sind.“
Zwei ehemalige Angestellte des Caritas-Altenheims in Holt schilderten der Rheinischen Post ihre Arbeitsbedingungen. Obwohl sie inzwischen in neuen Arbeitsverhältnissen stehen, wollen sie anonym bleiben. Die Situation in Holt sei absolut identisch mit der in Giesenkirchen. Eine der beiden examinierten Krankenschwestern war Mitglied in der Mitarbeitervertretung – und somit eigentlich unkündbar. „Ich wurde derart unter Druck gesetzt, dass ich krank wurde“, sagt sie. Sie war erheblichen Vorwürfen ausgesetzt, die Geschäftsführung drohte ihr mit polizeilichen Anzeigen, zuletzt folgte eine Abmahnung nach der anderen. „Es hieß, ich müsse mich innerhalb von zwei Tagen entscheiden – entweder Anzeige und Gerichtsverfahren oder Auflösungsvertrag.“ Anfang 2009 unterschrieb sie einen Aufhebungsvertrag. „Von den ehemaligen Kollegen im Holter Altenheim hören wir ständig Horrorgeschichten. Das Betriebsklima wird immer unerträglicher.“
Dazu sagt Josef Wählen: „Die ohnehin hohe Arbeitsbelastung der Mitarbeiter in solchen Pflegeeinrichtungen ist immer mehr verschärft worden, indem der Arbeitgeber über die Köpfe der Betroffenen hinweg Arbeitsbedingungen schafft, die weder Rücksicht auf gesetzliche Regelungen noch auf die Interessen der betreuten Menschen noch auf die sozialen Belange des Personals nehmen.
Auf Nachfrage der Rheinischen Post ließ das Amt für Altenhilfe mitteilen, aus Holt und Pongs lägen keinerlei Beschwerden vor.
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