Mönchengladbach: Altenheime bieten Jobs
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 08.01.2009Mönchengladbach (RPO). Drei Jahre ging’s aufwärts. Jetzt hat die Rezession Gladbach erreicht. Ende Dezember suchten in der Stadt fast 15 000 Menschen eine Arbeitsstelle. Tendenz: steigend. Aber es gibt offene Stellen in Altenheimen und Kindergärten.
Arbeitsmarkt
Arbeitslose Im Dezember waren in Mönchengladbach und im Rhein-Kreis-Neuss 28800 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Das waren 578 mehr als im Vormonat.
Quote Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Punkte auf 8,1 Prozent. 2007: 8,6 Prozent.
Mönchengladbach Hier liegt die Arbeitslosenquote bei 11,4 Prozent. Zum Vergleich: Rhein-Kreis-Neuss 6,3 Prozent.
Offene Stellen Ihre Zahl lag im Dezember bei fast 1200 Stellen.
Die Rezession hinterlässt deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Obwohl die Zahl der Arbeitslosen im Vorjahr sank und sich die positive Entwicklung aus den Jahren 2006 und 2007 fortsetzte, verloren im vergangenen Monat wieder mehr Menschen ihre Stelle. Auch wenn der Ausblick auf 2009 eher schlecht ist, gibt es in einzelnen Branchen einen Bedarf. „Ich kann sofort zehn bis 20 Alten- und Krankenpfleger einstellen – in Teilzeit und Vollzeit“, sagt Helmut Wallrafen-Dreisow, der als Geschäftsführer der städtischen Sozialholding für sechs Seniorenhäuser zuständig ist.
Er bestätigt einen Trend, den auch Berufskollegen festgestellt haben: In Krisenzeiten werden Jobs in der Altenarbeit wieder attraktiver, die in Boomzeiten mit zahlreichen offenen Stellen auf dem Arbeitsmarkt kaum begehrt sind. Entweder weil sie schlechter angesehen sind, die Arbeit hart ist oder weil die Verdienstmöglichkeiten vielen Menschen nicht ausreichend erscheinen. Wallrafen-Dreisow: „Altenarbeit ist krisensicher. Es gibt immer mehr ältere Menschen, die gepflegt werden müssen.“
Ausbildungsstellen fielen weg
Dies könnte in Zukunft sogar zu einem großen Mangel führen. „Das Land hat in den vergangenen Jahren 1500 Ausbildungsplätze für Altenpfleger abgebaut. Irgendwann fehlen uns die Leute. Das kann dramatisch werden“, sagt er. Allerdings hat Wallrafen-Dreisow aus den vergangenen Krisenjahren Konsequenzen gezogen: „Ich stelle so gut wie keine Hilfskräfte mehr ein. Wir verlangen, dass unsere Mitarbeiter einen abgeschlossenen Berufsabschluss haben. Auch wenn es einer aus einer anderen Branche ist. Eine Hotelfachfrau würde ich zum Beispiel gerne einstellen, weil ich mir von ihr ein anderes Dienstleistungsverständnis erwarte.“
Dass es durchaus noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt gibt, davon berichtet auch der Gladbacher Arbeitsagentur-Chef Johannes-Wilhelm Schmitz: „Die Zahl der offenen Stellen ist deutlich gesunken. Aber bei den Sozial- und Erzieherberufen gibt es sogar 77 Prozent mehr als im Vorjahr.“ Das hat Gründe: Die Bundesregierung will die Betreuung der unter Dreijährigen verbessern, und dies erfordert in Kindergärten mehr Fachkräfte. Und es gibt ein Spezialprogramm, das die Pflege von Demenzkranken verbessern hilft. Mehr als 40 Arbeitslose haben Anfang Dezember eine Ausbildung begonnen, die sie zum Demenzassistenten qualifiziert. „Die werden wir alle brauchen“, sagt Wallrafen-Dreisow. Immerhin: Der Job hat nicht nur Perspektive, sondern ist auch mit einem Bruttogehalt von 1650 Euro monatlich verbunden.
Diese Nischen zu entdecken und sie in Krisenzeiten zu nutzen, ist die Kunst, die Arbeitsagentur und Arbeitssuchende beherrschen müssen. Arbeitsagentur-Chef Schmitz weiß: „Vielleicht geht’s Ende des Jahres oder Anfang 2010 schon wieder aufwärts. Und dann haben die Menschen größere Chancen, die sich weiterqualifiziert haben.“
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