Mönchengladbach: Altenheime: Polizei ermittelt
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 21.07.2010Mönchengladbach (RPO). Inzwischen liegen – laut Polizei – mehrere Strafanzeigen gegen den Caritasverband vor. Deshalb wird seit Dienstag in den Caritas-Seniorenzentren Giesenkirchen und Hehnerholt ermittelt.
Dienstagvormittag hatte das Caritas-Seniorenzentrum in Hehnerholt unangemeldeten Besuch von der Staatsanwaltschaft. Gemeinsam mit der Polizei, der Heimaufsicht der Stadt und dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen überprüften die Beamten die Räumlichkeiten, Akten und Dokumentationen. Am Nachmittag wurden auch im Caritas-Altenheim Giesenkirchen die Ermittlungen aufgenommen.
"Wir haben mehrere Anzeigen vorliegen, die Vorfälle in beiden Einrichtungen betreffen", sagte Polizeisprecher Willy Theveßen. "Es geht um die Ermittlung von Straftaten."
Der Vorstand des Caritasverbandes hatte am Nachmittag lediglich mitgeteilt, die Staatsanwaltschaft führe in Giesenkirchen Ermittlungen durch. "Wir unterstützen die Staatsanwaltschaft im Sinne einer raschen und lückenlosen Aufklärung", hieß es in der Erklärung.
Bisher war nur eine Strafanzeige öffentlich bekannt geworden, die eine Angehörige gegen den Caritasverband gestellt hatte, nachdem nach ihrer Aussage ihr Vater nach wenigen Tagen in der Holter Kurzzeitpflege völlig ausgetrocknet war.
Der 85-Jährige ist vor wenigen Tagen gestorben. Aus dem Giesenkirchener Haus war ein weiterer Pflegefehler öffentlich geworden, als der behandelnde Arzt eine Patientin ins Krankenhaus bringen musste, weil ihre Verletzung nicht kontrolliert und gepflegt worden war. Es habe Lebensgefahr bestanden hatte der Mediziner geäußert. "Es wurden inzwischen etliche Straftaten bei der Polizei zur Anzeige gebracht", sagte Willy Theveßen. "Und wir gehen ernsthaft davon aus, dass es sich bei den angezeigten Pflegefehlern nicht um Einzelfälle handelt."
Die Polizei will in den kommenden Tagen Kontakt zu Mitarbeitern der Einrichtungen aufnehmen und auch mit Langzeiterkrankten und ehemaligen Kollegen sprechen. "Wir brauchen jetzt die Aussagen von allen, die die Interna kennen." Man habe allerdings festgestellt, dass die Verunsicherung bei den Caritas-Angestellten extrem hoch sei. "Die haben regelrecht Angst, mit uns zu reden", sagt Willy Theveßen. "Aber wir wollen ihnen diese Angst nehmen."
Offenbar lagen gestern Abend schon Ergebnisse aus den Caritas-Altenzentren in Hehnerholt und Giesenkirchen vor. "Diese werden von uns jetzt sorgfältig ausgewertet", sagte der Polizeisprecher. In der Öffentlichkeit ist die Forderung nach nachhaltigen Konsequenzen nicht mehr zu überhören. Im Forum von RP-Online haben etliche Leser, viele davon offenbar Caritas-Insider, gefordert, in der Chefetage des Caritasverbandes gründlich aufzuräumen.
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