Mönchengladbach: Amerikaner feiern im Borussia-Park
VON STEFAN BARTELS UND ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 14.07.2011Mönchengladbach (RP). Es sollte ein toller Tag mit traurigem Ende werden für Marie Catrin, als sie am Mittag in der Nähe von Paris in ihr Auto stieg. Ihr Ziel: Mönchengladbach, Borussia-Park, WM-Halbfinale. Ihre Mitspielerin Gaetane Thiney unterstützen, mit der sie in der französischen Liga zusammen stürmt.
Doch die Angreiferin mit der Nummer 17 blieb gestern Abend glücklos, gefeiert wurde nur im amerikanischen Fanblock. Die USA gewannen das Halbfinale gegen Frankreich 3:1, das letzte WM-Spiel in Gladbach. "Immerhin wird jetzt in Frankreich mehr über Frauenfußball gesprochen", sagte die 27-Jährige. "Und wir haben uns die Stadt angeschaut." Sie war eben rechtzeitig angereist.
Das schaffte der US-Botschafter in Deutschland, Philip D. Murphy – Mit-Besitzer des amerikanischen Frauenteams Sky Blue FC New Jersey – nicht. Der Diplomat reiste mit seiner Frau Tammy sowie den Kindern Emma, Josh, Charly und Sam aus Berlin an. Seine Exzellenz schaffte es wegen eines Unwetters in der Hauptstadt nicht rechtzeitig nach Mönchengladbach, um wie geplant die Fanmeile zu besuchen.
Eine halbe Stunde vor Spielbeginn traf seine Eskorte im Stadion ein. "Die Stimmung und die Unterstützung in Amerika sind unglaublich. Alle Spiele werden im Fernsehen übertragen, die Menschen schauen in Bars und Restaurants", sagte der Botschafter unserer Zeitung vor dem Anpfiff. Er tippte auf ein 2:1 und durfte auf der Ehrentribüne in der 8. Minute schon jubeln. Wie die meisten der 25 676 Zuschauer im Borussia-Park.
Damit war das Halbfinale das am schlechtesten besuchte WM-Spiel in Mönchengladbach. So blieb diesmal auch ein Verkehrschaos aus, anders als beim Vorrundenspiel Deutschland gegen Frankreich. Rund 3000 Parkplätze blieben gestern frei, die Polizei registrierte keine Probleme. "Alles ist reibungslos gelaufen", sagte Harald Weuthen, Chef des WM-Büros der Stadt.
"Allez les bleus" hallte es mühsam von der Nordkurve, unterbrochen vom Gekreische der amerikanischen Fans aus der Südkurve, die jede Aktion ihrer WM-Heldin Hope Solo im Tor frenetisch feierten, wie auch die späten Siegtore. Es waren deutlich mehr amerikanische Fans ins Stadion gekommen. Zum Beispiel die 60 Nachwuchsfußballer der Dallas Soccer Academy, die ihre Turnier-Reise durch Europa für eine Lehrstunde im Borussia-Park unterbrachen.
"Die Jungs sollen sich anschauen, wie die Frauen die Positionen verschieben und die Formation halten", befahl Trainer Tim Trevino (41). Und Familie Russell aus Houston kam für das Spiel aus ihrem Urlaubsdomizil Heidelberg. "Schöne Stadt, aber kleiner als gedacht", sagte Chris Russell (48).
Spät in der Nacht ging das Licht aus im Borussia-Park. Da war Marie Catrin längst wieder unterwegs Richtung Paris. Chris Russell und Familie fuhren nach Frankfurt, um irgendwie Finalkarten zu kriegen. Und Botschafter Philip Murphy speiste mit der US-Band Bon Jovi in einem Ratingener Restaurant nach deren Konzert in Düsseldorf.
Die WM in Gladbach ist Geschichte. Heute um 11 Uhr trainiert Borussia wieder im Borussia-Park.
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