Mönchengladbach: Amok: Trittbrettfahrer ertappt
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 01.12.2007Mönchengladbach (RPO). Im Schulzentrum Rheindahlen wurden gestern Amoklauf-Drohungen entdeckt. Wenig später gab’s Entwarnung. Der 16-jährige Täter wollte einen „Scherz“ machen. Gegen ihn wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Kein Einzelfall.
Konsequenzen
Trittbrettfahrer Gegen die beiden 16-Jährigen wurden Strafverfahren eingeleitet.
Freiheitsstrafen Ein 19-Jähriger aus Achern wurde bereits wegen einer solchen Ankündigung in einem Schnellverfahren zu vier Wochen Dauerarrest verurteilt. Ein 41-Jähriger wurde im April zu anderthalb Jahren Haft verurteilt.
Tatort gestern: Das Schulzentrum Rheindahlen. Dort wurden drei Drohbriefe in den Damen- und Herrentoiletten gefunden. Der angekündigte „Anschlag“ sollte dem Gymnasium und der Hauptschule gelten. Der Verfasser schrieb, dass er am 12. und am 13. Dezember zuschlagen wolle.
Die Schulleitung informierte die Schüler sofort in einem Rundschreiben. Es wurde vor Panikmache gewarnt, gleichzeitig sollte den Eltern aber freigestellt werden, ob sie ihre Kinder an den beiden Tagen in die Schule schicken oder nicht. Elternbriefe wurden herausgegeben und Schriftproben von Schülern genommen, bevor Polizei und Stadtverwaltung Entwarnung geben konnten.
Keine Gefahr für Schüler
Die Ermittlungen der Polizei hatten dem Täter nämlich einen gehörigen Schrecken eingejagt. Der junge Mann, ein 16-jähriger Schüler der Hauptschule Rheindahlen, vertraute sich seinem Lehrer an. Laut Polizei erklärte er, dass er die Schreiben aus Frust verteilt habe, Außerdem hätte er keine Lust gehabt, am 12. und 13. Dezember am Deutsch-Unterricht teilzunehmen. „Er wollte sich auf diese Weise zwei freie Tage verschaffen“, sagt Polizeisprecher Peter Spiertz. Für die Schüler habe zu keinem Zeitpunkt eine reale Gefahr bestanden – weder in diesem Fall noch in den anderen.
Seit dem Amoklauf in Emsdetten muss sich auch die Mönchengladbacher Polizei mit Trittbrettfahrern beschäftigen. 43-mal wurden seit November vergangenen Jahres Gewalttaten an Schulen angedroht. Selbst Grundschüler kündigten schon Amokläufe an. Normalerweise sollen solche Fälle nicht an die Öffentlichkeit dringen, damit es nicht noch mehr Nachahmer gibt.
Eine Gefahr habe in Mönchengladbach allerings nie bestanden, versichert Spiertz. Trotzdem wurde allen Fällen nachgegangen. Drei junge Täter gingen bereits ins Netz. Am 29. November schrieb ein Achtjähriger die Drohung auf die Wand der Jungentoilette an der Grundschule Vossenbäumchen. Am 27. November hatte ein 16-Jähriger seine Amoklauf-Ankündigung in den Sanitärräumen der Gesamtschule Hardt verewigt.
Alle, der Achtjährige sowie die beiden 16-Jährigen, hätten eingeräumt, aus purem Blödsinn die Drohungen ausgesprochen zu haben, so die Polizei. „Richtig ernst genommen haben wir die Warnung nicht“, erklärte gestern eine Schülerin vom Gymnasium Rheindahlen. „Wir haben darüber sogar Scherze gemacht.“
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