Mönchengladbach: Angeklagter taucht unter
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 18.09.2009Mönchengladbach (RPO). Der mutmaßliche Kinderschänder aus Viersen hat seine erst vor wenigen Tagen in Rheydt bezogene Wohnung verlassen und hält sich nun an einem geheimen Ort auf. Der bis dahin unwissende Vermieter hatte ihm gekündigt.
Nach wenigen Tagen in seiner neuen Wohnung in Rheydt ist der mutmaßliche Kinderschänder aus Viersen wieder ausgezogen. Nach Informationen der Rheinischen Post kündigte der Vermieter am Mittwoch den erst kürzlich geschlossenen Mietvertrag, nachdem er erfahren hatte, wer in dem Rheydter Mehrfamilienhaus untergekommen war.
Der 59-Jährige steht seit Anfang September vor Gericht, weil er zwischen 2006 und 2008 vier Mädchen aus seiner Viersener Nachbarschaft in 19 Fällen zum Teil schwer sexuell missbraucht haben soll. Weil die Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft zu lange für die Anklage gebraucht hatte, musste der Mann im Juli freigelassen werden.
Chronik des Falles
Berühmtheit Der Fall des 59-jährigen Vierseners erlangte bundesweite Aufmerksamkeit, weil er der Anfang einer Reihe aufgedeckter Pannen in der Mönchengladbacher Justiz war.
Urteil Das Urteil der Großen Jugendkammer unter Vorsitz von Lothar Beckers wird frühestens im Oktober erwartet.
Chronik des Falles im Internet unter www.rp-online.de/moenchengladabch
"Ich hatte keine Ahnung"
Nach Prozessbeginn war der Mann aus seiner Viersener Wohnung ausgezogen und bewohnte zunächst ein Mönchengladbacher Hotel. In dieser Zeit soll dessen Anwalt Heribert Kayenburg mit den Vermietern der Rheydter Wohnung den Vertrag gemacht haben. Die ARGE gab schriftlich die Zusage darüber, dass sie die Mietkosten übernehme. "Ich hatte keine Ahnung, wer da wohnt. Ich wusste überhaupt nicht, worum es geht", sagt der Vermieter. "Als ich das erfahren habe, habe ich den Vertrag sofort gekündigt."
In dem Haus soll der Angeklagte sich laut anderen Nachbarn nett vorgestellt und sogar angeboten haben, das Treppenhaus zu putzen und den Rasen zu mähen. Die Polizei holte am Mittwoch und Donnerstag die Sachen des Mannes aus der Wohnung. Seitdem hält der Beschuldigte sich an einem geheim gehaltenen Ort auf.
In der Straße war es am Mittwoch unter den Anwohnern zu Unruhen gekommen. Einige der Nachbarn hängten Plakate in ihre Fenster, auf denen sie den Fortzug des Mannes aus Viersen forderten und Eltern davor warnten, ihre Kinder in der Straße wie gewohnt spielen zu lassen. Gestern Nachmittag waren die Plakate wieder verschwunden, die Situation hatte sich beruhigt.
Der Prozess gegen den 59-Jährigen soll am kommenden Freitag fortgesetzt werden. Für diesen Tag sind zwei der Mädchen als Zeugen geladen. Ob sie auch gehört werden, ist noch unklar.
Am ersten Verhandlungstag hatte der Angeklagte die Vorwürfe aus der Anklageschrift bestritten. Nachdem das Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein 40-minütiges Video im Gerichtssaal abspielt hatte, das den Angeklagten mit einem elfjährigen Mädchen zeigen soll, verweigerte der Angeklagte die weitere Aussage. Für den Fall, dass er bei dieser Aussage bleibt, sollen die vier Mädchen als Zeugen in dem Prozess gehört und weitere Videos und Fotos gesichtet werden.
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