Mönchengladbach: Angeklagter zieht nach Rheydt
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 11.09.2009Mönchengladbach (RPO). Der mutmaßliche Kinderschänder aus Viersen hat eine Wohnung in einem Rheydter Mehrfamilienhaus bezogen. Mindestens bis zum Urteil im Oktober bleibt er frei. Er wird rund um die Uhr von Polizisten bewacht.
Der mutmaßliche Kinderschänder, der seit Montag vor Gericht steht, ist nun ganz nach Mönchengladbach gezogen. Seit zwei Tagen lebt er an einer Straße mit Mehrfamilienhäusern in Rheydt. Am Montag hatte er seine Wohnung in Viersen verlassen, nach dem Prozessauftakt war er in ein Gladbacher Hotel gezogen. Seitdem der 59-Jährige in dem Mehrfamilienhaus wohnt, wundern sich Anwohner der Straße über eine Limousine, die vor ihren Häusern steht und in der zwei Männer den Tag verbringen – offenbar Beamte der Kriminalpolizei, die den 59-Jährigen aus Viersen bewachen.
Doch wer da in ihre Nachbarschaft gezogen ist, ahnt kaum jemand. "Ich kenne nicht einmal die Namen von Leuten, die seit Jahren in dieser Straße wohnen", sagt eine Anwohnerin, die ihre Einkäufe nach Hause trägt. Ein anderer erklärt: "Das ist hier ein Kommen und Gehen." Überwiegend Senioren leben an der Straße, viele Wohnungen stehen leer. Es ist eine Gegend, in der Nachbarn nicht viel miteinander zu tun haben wollen.
Zum Fall
Berühmtheit Der Fall des 59-jährigen Vierseners erlangte bundesweite Aufmerksamkeit, weil er der Anfang einer Reihe aufgedeckter Pannen in der Mönchengladbacher Justiz war.
Abordnung An deren Ende ordnete NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter den Leitenden Oberstaatsanwalt Heinrich Franzen nach Düsseldorf ab.
Versetzung An deren Ende versetzte NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter den Leitenden Oberstaatsanwalt Heinrich Franzen nach Düsseldorf.
Seit Juli auf freiem Fuß
Der Mann, dem vorgeworfen wird, vier Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren 19 Mal zum Teil schwer sexuell missbraucht zu haben, ist seit Juli auf freiem Fuß. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hatte angeordnet, den Mann nach neun Monaten aus der Untersuchungshaft zu entlassen, weil die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach mit der Anklage gebummelt hatte. Seitdem hatte er Monate lang wieder in der Wohnung gelebt, in der er sich an den Kindern vergangen haben soll. In einem Fall habe er sogar eines der Kinder im Aufzug wieder getroffen, berichtete der WDR. Seine ständigen Begleiter warteten permanent vor dem Haus: Beamte der Kriminalpolizei.
Am Mittwoch kam es zu einer Begegnung zwischen dem Mann und den Beamten an dessen neuen Wohnort. Offenbar ist ihm nicht Recht, dass die Polizei ständig über seinen Aufenthaltsort informiert ist. "Ich kaufe mir Inline-Skates und dann können Sie mir nicht folgen", soll der Angeklagte einem der Beamten gesagt haben.
Im Gericht hatte der 59-Jährige sich am Montag redegewandt als Opfer dargestellt und die meisten Vorwürfe aus der Anklageschrift abgestritten. Ein 40-minütiges Video, auf dem der Mann eine intime Begegnung mit einem elfjährigen Mädchen gefilmt haben soll, belastete den Angeklagten jedoch. Bleibt der Mann bei seiner bisherigen Aussage, müssen auch die Mädchen im Gerichtssaal als Zeugen gehört werden. Für den Prozess sind sechs Verhandlungstage angesetzt, das Urteil wird frühestens im Oktober erwartet. Bis dahin bleibt der Mann auf freiem Fuß. Und lebt in seiner neuen Wohnung in Rheydt.
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