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Mönchengladbach: Angst vor Amok – schulfrei

VON INGE SCHNETTLER UND DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 12.12.2007

Bei Gladbachs Schülern kursiert die Angst vor einem Amoklauf am heutigen Mittwoch. Mehrere Täter hatten dieses Datum genannt. Die Polizei sagt: „Es besteht keine Gefahr.“ Sie kann aber ein Restrisiko nicht ausschließen.

Auf Trittbrettfahrer, die einen Amoklauf androhen, kommen harte Strafen zu. Foto: AP, AP

Das Berufskolleg für Technik in Mülfort erhielt gestern Mittag Amoklauf-Drohungen für den heutigen Tag: Schulleiter Martin Pielka gab deshalb schulfrei. Die Leiter von anderen weiterführenden Schulen stellten es den Eltern frei, ob sie ihre Kinder heute zum Unterricht schicken. Darunter sind die Marienschule und das Math.-Nat.-Gymnasium. Bei Gladbachs Schülern brodelt die Gerüchteküche, nachdem mehrere Täter den 12. Dezember als Termin für einen „Anschlag“ genannt hatten. Die Polizei geht davon aus, dass keine Gefahr besteht. Trotzdem kann sie ein Restrisiko nicht ausschließen.

Auslöser der Entwicklung war nach bisherigem Kenntnisstand ein Achtjähriger. Der Junge schrieb auf die Wand der Jungentoilette an der Grundschule Vossenbäumchen in Hardt: „Ich laufe Amak am 12.12..“ Ein 16-jähriger hinterließ ebenfalls zu dieser Zeit eine ähnliche Amoklauf-Ankündigung in den Sanitärräumen der Gesamtschule Hardt. Und als dann noch ein 16-Jähriger in den Toiletten des Schulzentrums Rheindahlen einen „Anschlag“ für den 12. und 13. Dezember ankündigte, entwickelte sich eine Dynamik, die in vielen Gerüchten und Verdächtigungen mündete.

Dabei konzentrierte sich alles auf den heutigen Tag. Gestern standen in Schulen und bei der Polizei die Telefone nicht mehr still. Besorgte Eltern fragten nach, was an den Gerüchten dran sei. Die Polizei, dienach den Tätern fahndet, beruhigte. „Bei ihnen deutet nichts auf einen Amoklauf hin. Sie passen gar nicht in das bekannte Raster. Wir warnen vor Panikmache“, sagt Polizeisprecher Peter Spiertz.

Seit November 2006 häufen sich die Zahl der Trittbrettfahrer: Mehr als 50 Ankündigungen füllen bei der Gladbacher Polizei einen dicken Ordner. Alle Fälle sind aufgeklärt. Spiertz: „Da kamen abstruse Hintergründe zutage.“ Mehrfach sollten unbequeme Mitschüler gemobbt werden. Oftmals waren die Mitteilungen diffus. „Ihr werdet euch noch alle wundern“, schrieb ein Schüler zum Beispiel nach einem Streit mit einem Lehrer auf einen Zettel und löste so eine Polizeiaktion aus. Auch Hinweisen von Pädagogen und Psychologen ist die Polizei nachgegangen – alle erwiesen sich am Ende als unbegründet. Trotzdem mahnt Spiertz: „Wir brauchen diese Hinweise. Niemand soll eine angekündigte Aktion vorschnell als ,Blödsinn’ abtun.“

Bei einigen Gladbacher Schulen herrschte gestern große Unsicherheit. „Ich glaube der Polizei, dass heute die Gefahr nicht größer ist als an anderen Tagen“, sagt Marienschul-Leiter Willi Oberdörster. Er informierte die 1312 Schüler per Lautsprecherdurchsage, dass die Eltern über den Schulbesuch entscheiden sollen. Das Math.-Nat. verschickte einen Elternbrief an 1200 Schüler. Mülforts Berufskolleg-Leiter Pielka handelte nach den gestrigen Anrufen, kommt mit einigen Kollegen aber zur Schule: „Ich habe keine Angst.“


 
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