Mönchengladbach: Angst vor dem nächsten Hochwasser
VON ANDRIANA SAKARELI - zuletzt aktualisiert: 26.06.2008Mönchengladbach (RPO). Nach dem Unwetter vom 29. Mai sind noch viele Betroffene damit beschäftigt, die Schäden zu beseitigen. Manche fürchten um ihre Existenz, falls so etwas noch einmal passiert. Fest steht: Das Abwasserkanalnetz weist Lücken auf – schon bei etwas stärkerem Regen.
Den 29. Mai vergisst Dinh-An Ho nicht so schnell: die plötzlich einsetzende Dunkelheit, der starke Regen, das Wasser, das unaufhaltsam in sein Lebensmittelgeschäft an der Untereickener Straße 25a fließt und auch die Kellerräume überflutet. Die Bilder laufen immer wieder vor den Augen des Vietnamesen ab. „Wir haben die Wassermassen mit Besen herausgeschoben“, erzählt Dinh-An Ho. Doch genutzt hat es nicht viel. Das Wasser hatte in wenigen Minuten schon genug Schaden angerichtet: 50 Säcke Reis, 39 Kartons Nudeln und andere Waren, die im Keller lagerten, mussten auf den Müll. Ein Kühlgerät hat wegen der Feuchtigkeit den Geist aufgegeben. Mit den Aufräumarbeiten ist Ho längst nicht fertig. Denn auch sein Wohnhaus hat Schaden genommen. „Alles stand einen halben Meter im Wasser“, sagt Marianne Schlegel. Die Seniorin ist mit der Familie befreundet, hilft, wo sie nur kann gemeinsam mit Ehemann Walter. Auch an jenem 29. Mai, als der Teil der Untereickener Straße, an dem Dinh-An Ho lebt, komplett überschwemmt war. Der Regen war zu heftig, als dass der Kanal an der Straße ihn hätte aufnehmen können. „Unser Stück war besonders betroffen“, sagt Ho, „nun haben alle Anwohner Angst, dass das wieder passieren könnte.“
Diese Angst teilt auch Hans Odenkirchen. Er wohnt auf der Römerstraße in Geneicken. Das Unwetter hat erheblichen Schaden an und in seinem Haus angerichtet. Das Wasser bahnte sich den Weg durch Odenkirchens Garage, floss hinten auf die Terrasse und drückte das Fenster zum Schlafzimmer im Souterrain auf. „Donnerstagabend hatten wir nicht einmal mehr eine Zahnbürste“, erinnert sich Hans Odenkirchen. Möbel, Kleidung und alle Elektrogeräte seien nicht mehr zu gebrauchen gewesen. „Die Schadensliste ist noch nicht fertig. An Hausrat ist ein Schaden von 18 000 Euro zusammengekommen.“
Das Problem mit dem Hochwasser hat Odenkirchen aber nicht erst seit dem Unwetter vom 29. Mai. „Schon bei etwas stärkerem Regen läuft das Wasser bei uns rein.“ Den Grund glaubt Odenkirchen zu kennen: „Der Abwasserschlitz ist viel zu klein.“ Und da es sich dabei um einen Mischwasserkanal handle, fließe darin nicht nur das Wasser von der Friedensstraße und der Ottostraße, sondern auch das Regenwasser von den Dächern ab. Ein Gespräch mit der NVV habe nichts gebracht. „Die seien nicht zuständig, sagte man mir und verwies mich an die Stadt.“ Mit dem Ergebnis, dass ein Mitarbeiter zu Hans Odenkirchen fuhr, sich die besagte Stelle anschaute und zu dem Schluss kam: „Man sollte vielleicht mehr Abflussmöglichkeiten schaffen.“ Bislang sei aber nichts geschehen, sagt Odenkirchen.
Mit regelmäßigen Überschwemmungen haben auch die Anwohner auf der Dohler Straße und Hüttenstraße zu kämpfen. Da weder NVV noch Stadt aktiv geworden sind, machen die Nachbarn mobil: Sie haben eine Interessengemeinschaft ins Leben gerufen, überlegen sogar, eine Sammelklage gegen die NVV einzureichen. „Weil die Bausubstanz unserer Immobilien systematisch vernichtet wird und nichts geschieht“, erklärt Erika Coenen, Mitinitiatorin der Interessengemeinschaft. Und es hat sich bereits etwas bewegt.
Nach einem Artikel in der RP über die Situation an der Dohler Straße / Hüttenstraße meldete sich der Bezirksvorsteher von Rheydt-Mitte, Karl Sasserath. Auf Initiative der Grünen habe sich die Bezirksvertretung schon im August 2005 mit den Überschwemmungen beschäftigt, schreibt Sasserath. In dem Schreiben heißt es weiter: „Obwohl die eingetretenen Probleme bekannt waren, hat sich trotz Zusagen der NVV AG dort bis heute nichts getan.“
Deshalb hat Sasserath noch ein Schreiben aufgesetzt, gerichtet an Oberbürgermeister Bude, an den Umweltdezernenten, die Vorsitzende des Umweltausschusses und den NVV-Vorstand. Darin fragt er unter anderem, warum sich bis heute nichts getan habe. Eine Antwort hat Sasserath noch nicht bekommen. Eines steht für ihn aber fest: „An vielen Ecken gibt es Probleme im Abwasserkanalnetz.“
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