Mönchengladbach: Arge schaut bei Kindern genau hin
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 10.07.2008Mönchengladbach (RPO). Im Dezember 2007 rettet sich Margit S. (Name geändert) mit ihrer Tochter vor ihrem gewalttätigen Lebensgefährten in ein Frauenhaus. Nur zwei Monate später, Margit S. ist inzwischen in ihre eigene Wohnung zurückgekehrt, zieht auch der einst brutale Lebensgefährte wieder ein. Davon erfährt zunächst nur die Arge, denn sie muss wieder Leistungen für eine Bedarfsgemeinschaft zahlen. „Diesen Fall haben meine Mitarbeiter dem Jugendamt gemeldet“, erklärt Klaus Müller, Geschäftsführer der Arge. Denn das Wohl des Kindes könnte gefährdet sein.
Das ist nur ein Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen der Arge und dem Jugendamt der Stadt, die ein Teil des Sozialen Frühwarnsystems ist. Damit sollen Fälle von Kindesvernachlässigung früher erkannt – oder vorbeugend Betroffenen Hilfe angeboten werden.
In den vergangenen eineinhalb Jahren gab es eine Reihe Maßnahmen zur Verbesserung der Zusammenarbeit und Information, etwa von Jugendamt, Grundschulen und Kindertageseinrichtungen. Im Oktober 2007 wurde der Kooperationsvertrag mit der Arge geschlossen. Seitdem meldeten Mitarbeiter rund 20 Fälle an das Jugendamt. 37 000 Menschen werden in der Stadt von der Arge betreut, davon 11 000 Kinder.
Ein Indiz, das Kinder nicht angemessen aufwachsen, kann die Größe der Wohnung sein. Hier hat die Arge alle nötigen Daten, da sie die Kosten übernimmt. Wohnen drei Kinder und zwei Erwachsene in einer Zwei-Zimmer-Wohnung, muss etwas geschehen. „Und in diesen Fällen steht das Kindeswohl über dem Datenschutz“, sagt Sozialdezernent Dr. Michael Schmitz. Dann helfe das Jugendamt der Familie, eine größere Wohnung zu bekommen. „Uns geht es nicht darum, Kontrolle auszuüben, sondern rechtzeitig Hilfe anzubieten“, betont Norbert Deckers, Leiter des Sozialen Dienstes im Jugendamt. So wie bei der Frau, die sechs Monate mit ihrem Kind ohne Strom lebte. „In diesem Fall wird sofort gehandelt“, sagt Schmitz. Die Arge-Mitarbeiter sollen sensibilisiert werden, mögliche Gefahren auch im normalen Kundenkontakt zu erkennen. Dann können sie sich an feste Ansprechpartner im Jugendamt wenden. Dort wird das Problem besprochen, bei Bedarf auch anonym.
Denn auch die Mitarbeiter der Arge, die es gewohnt sind, in die Privatssphäre anderer zu schauen, haben Scheu, ihren Verdacht beim Jugendamt zu melden. Sie fürchten, Befugnisse zu übertreten, bei der Polizei aussagen zu müssen oder selbst Ärger zu bekommen, wenn sie jemanden zu Unrecht verdächtigt haben.
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