Mönchengladbach: Arztfrauen in der Praxis
VON CHRISTIAN HEIDRICH - zuletzt aktualisiert: 19.09.2007 - 14:47Seit 13 Jahren arbeitet Hingkie Hess in der Verwaltung der Arztpraxis ihres Mannes mit. Geholfen hat ihr dabei der Verband in der Praxis mitarbeitender Arztfrauen. Jetzt will sie eine Regionalgruppe am Niederrhein gründen.
Hingkie Hess managt ein kleines Unternehmen. Einkauf, Buchhaltung, Personalplanung und Kundenbetreuung sind die Aufgaben der 52-Jährigen. Die Kunden des Betriebes sind Menschen, die medizinische Hilfe suchen. Das Unternehmen ist eine Gemeinschaftspraxis für Handchirurgie und plastische Chirurgie, in der ihr Mann einer der beiden Kompagnons und zugleich ihr Chef ist.
Während die beiden Ärzte fürs Medizinische verantwortlich sind, kümmert sich Hingkie Hess um das Management der Praxis. Sie ist eine von rund 100 in der Praxis mitarbeitenden Arztfrauen in NRW. Die sind bundesweit in einem Verband organisiert, dem die Praxismanagerin seit sieben Jahren angehört.
Dass sie in ihrem Beruf so gut zurecht kommt, verdankt sie dem VmA, Dem Verband in der Praxis mitarbeitender Arztfrauen. Jetzt möchte sie am Niederrhein eine Regionalgruppe des Verbandes gründen.
Dass der eine große Hilfe sein kann, hat die gebürtige Indonesierin, die seit mehr als 30 Jahren in Deutschland lebt, selbst erfahren. Sie ist Diplom-Sportlehrerin. Von medizinischen Themen hat sie durch ihr Sportstudium ein wenig Ahnung. Kaufmännische Kenntnisse, die zur Führung einer Praxis notwendig sind, fehlten ihr aber. Also besuchte sie Seminare des VmA, eignete sich die Grundzüge der Praxisorganisation an, absolvierte Telefontraining, arbeitete sich in Buchhaltungsprogramme ein. Wissen, das notwendig ist, um den Mann in der Praxis unterstützen zu können. „Wir sind mitverantwortlich für die Wirtschaftlichkeit der Praxis“, sagt Hingkie Hess.
Die Frage der Wirtschaftlichkeit werde für Praxen immer wichtiger. Seit Ärzte mit einem Budget zurechtkommen müssten, könne es sein, dass ein Arzt eine Leistung nicht bezahlt bekomme, wenn das Budget überschritten sei. Hinzu komme, dass es für Ärzte zunehmend schwerer werde, zu planen. Ein Arzt bekomme für eine bestimmte Leistung eine festgelegte Menge Punkte. Jedem Punkt sei ein Geldwert zugeordnet. Der sei aber nicht auf Dauer festgeschrieben, sondern sei in der Vergangenheit immer wieder gesunken.
„Wie soll der Arzt dann planen, was er womöglich an Einnahmen hat, von denen er sein Praxispersonal bezahlen muss“, fragt die Praxis-Managerin.
Also ist es eine wesentliche Aufgabe von ihr, aufs Geld zu achten. Und zwar in vielfacher Hinsicht. Material, das für die Praxis gebraucht wird, wie Verbände oder Reinigungsmittel, versucht sie in Verhandlungen mit Lieferanten möglichst günstig zu bekommen. Auch das Personal so einzuteilen, dass möglichst wenige Überstunden anfallen, ist die Aufgabe von Hingkie Hess. „Dieses Praxismanagement könnte ein Arzt zusätzlich zu seiner Arbeit mit den Patienten unmöglich leisten“, sagt sie.
Weil Frauen wie Hingkie Hess die Partnerinnen von Ärzten sind, kommt ihnen in der Praxis noch eine andere Funktion zu. „Ich bin die Brücke zwischen Arzt und Arzthelferin und Arzt und Patient“, sagt die 52-Jährige. Als sie vor 13 Jahre in der Praxis mitzuarbeiten begann, habe es bald ein halbes Jahr gedauert, bis sich das eingespielt habe. Auch der Umgang mit den Angestellten in den Praxen sei für Arztfrauen nicht einfach, da sie in Einzelfällen als Konkurrentinnen betrachtet würden. „Da profitieren wir sehr vom Kommunikationstraining, das der Verband anbietet“, sagt die Praxismanagerin.
Donnerstag, 20. September, 18 Uhr, Treffen des VmA am Niederrhein, Geneickener Bahnhof, Otto-Saffran-Straße 102, Mönchengladbach; für weitere Infos %0171 / 7500200 od. 02161 / 567697 u. www.arztfrauen.de
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