Mönchengladbach: Asche: Gladbacher sitzen fest
VON JEAN-CHARLES FAYS UND GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 20.04.2010Mönchengladbach (RPO). Am Gericht wird ein Prozess verschoben, weil ein Verteidiger in Spanien festhängt. Unternehmen müssen wegen der Aschewolke wichtige Auslands-Meetings absagen. Und in Reisebüros stehen die Telefone nicht mehr still.
Der Vulkan
Eyjafjallajökull liegt vor der Südküste Islands und ist der fünftgrößte Gletscher auf der Atlantikinsel. Er birgt einen Vulkan.
Lage 125 Kilometer östlich der Hauptstadt Reykjavik. Er erreicht eine Höhe von 1666 Metern.
Ausbrüche Rund 190 Jahre blieb der Vulkan ruhig. Der vorletzte Ausbruch ereignete sich von 1821 bis 1823. Zwei weitere Ausbrüche seit der Besiedlung Islands sind bekannt: Einer fand 1612/13 statt, der erste im Jahr 920.
Norbert Greschus hat den Humor noch nicht verloren. "Wir wollten schon die Briefwahlunterlagen für die Landtagswahl am 9. Mai anfordern", sagt der Reiseleiter von 22 Gladbachern, die wegen der isländischen Aschewolke auf Sizilien festsitzen. Eigentlich war das SPD-Frühlingstreffen in Cefalu nur für eine Woche bis zum 17. April geplant. Doch die Ankunft in Mönchengladbach wird sich mindestens um vier Tage verzögern. "Viele Senioren haben sich für diese Reise entschieden, weil sie nur zweieinviertel Stunden mit dem Flugzeug unterwegs sind", sagt Greschus. Stattdessen befinden sie sich seit gestern Nachmittag auf einer mindestens 51-stündigen Odyssee.
Zwei Tage in Bus und Fähre
Weil in Deutschland seit Freitag keiner der 16 internationalen Flughäfen mehr angeflogen werden darf, mussten insgesamt 450 Sozialdemokraten aus ganz Deutschland bereits zwei zusätzliche Übernachtungen in ihrem Hotel aus der eigenen Geldbörse bezahlen.
Gestern um 15 Uhr machte sich die Reisegruppe, die zu 80 Prozent aus Rentnern besteht, mit dem Bus auf den Weg von Cefalu nach Palermo. Von dort aus sollte die Fähre um 22 Uhr gen Genua ablegen. Dort werden die 450 deutschen Sozialdemokraten "jedoch keine eigenen Kabine haben, sondern in Sitzen schlafen wie aus einem Kinosaal", berichtet Greschus. Wenn alles "nach Plan läuft", komme der in Deutschland gecharterte Bus dann am Mittwoch um 18 Uhr am Bahnhof Rheydt an.
Der Prokurist des Reisebüros "First", Adolf Münch, sagte, dass sich seit Freitag bereits 50 Kunden gemeldet hätten, die von dem Flugchaos betroffen sind. Christian Stattrop von CSE-Traveltime-Reisen berichtete gar von 150 Betroffenen in den Büros in Viersen, Rheydt und Odenkirchen. Beide Reisebüros waren sich einig: "Wann wieder geflogen wird, lässt sich nicht seriös sagen." Die Reisebüros stehen im Kontakt mit den Flughäfen.
Für das Unternehmen SMS Meer gehört die Rohrmesse in Düsseldorf zu den wichtigsten Terminen. Weil sich das Unternehmen dort mit einem großen Stand präsentierte, waren auch viele ausländische Mitarbeiter angereist. Die Messe ist zu Ende, aber die Kollegen sind noch da. Seit Freitag stecken sie fest und warten auf ein Loch in der Aschewolke. Aber genauso wie Dienstreisen nicht beendet werden können, können sie auch nicht angetreten werden. "In Cincinnati ist eine Messe, ein Kollege muss nach Dubai, und in China stehen wichtige Auftragsverhandlungen an", sagt Unternehmenssprecher Dr. Peter Heimerzheim. Die, die geschäftlich nach England mussten, sind auf die Fähre umgestiegen. Die anderen fahren täglich nach Frankfurt – in der Hoffnung, dass doch noch ein Flieger startet.
Am Mönchengladbacher Landgericht sollte gestern eigentlich ein Homejacking-Prozess beginnen. Doch der Auftakt der Verhandlung gegen die mutmaßlichen Einbrecher, die es auf teure Autos abgesehen hatten, wurde verschoben. Ein Verteidiger sitzt in Spanien fest, teilte Landgerichtssprecher Joachim Banke mit.
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