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Mönchengladbach: Audienz mit Supertramp

VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 06.09.2010

Mönchengladbach (RPO). 7500 Fans feierten die britische Band Supertramp im Hockeypark für ein Konzert zwischen Belanglosigkeit und ganz großen Momenten. Die Band ist mit großem Aufwand unterwegs, zelebriert auf der Bühne aber Bescheidenheit.

Supertramp spielten im Hockeypark.  Foto: RP PREMIUM
Supertramp spielten im Hockeypark. Foto: RP PREMIUM

Beinahe hätte man sie übersehen. Sind diese Größen aus vier Jahrzehnten Popgeschichte nun schon auf der Bühne, oder nicht? So fängt ein Supertramp-Konzert wie jenes in Mönchengladbach am Samstag an. Und so ähnlich hört es auch wieder auf. Denn nach der dritten Zugabe, dem äußerst gefühlvollen "Crime of the century", stehlen sich die neun Musiker klammheimlich im Halbdunkel von der Bühne, steigen in die Limousinen und fahren nach Köln in ihr Hotel. Auf eine Verabschiedung von den rund 7500 Fans im Hockeypark verzichtet die Band. Dabei ist es doch ihre Greatest Hits- und wahrscheinlich auch Abschiedstour.

Wenn solche Herrschaften, die 60 Millionen Alben weltweit verkauften, im gesetzteren Alter nach acht Jahren Pause noch einmal auf Reisen gehen, ist das, als ob ein Königshaus einen Sommerurlaub macht und hier und da zur Audienz bittet. Die Band ist unterwegs mit sechs Trucks, die am Morgen Licht- und Tontechnik aus Halle brachten, drei Bussen voll mit der 38 köpfigen Crew, einem 100 Quadratmeter großen Zelt mit zusätzlichen 30 Quadratmetern Küchenzelt, einem Koch, fünf Limousinen mit getönten Scheiben, die die neun Musiker durch die Gegend chauffieren – das ist gehobener Aufwand. Der Koch zum Beispiel brachte einen Einkaufszettel mit Lebensmitteln für 5000 Euro mit, der richtige französische Wein wurde flugs per UPS nachgeliefert.

Bei Supertramp handelt es sich eben nicht mehr um frisch geschlüpfte Popsternchen. Der einzige verbliebene Bandgründer Rick Davies ist immerhin schon 66 Jahre alt. Mancher Fan sagt dazu: betagtes Rocken. Womöglich lag es daran, dass die erste Hälfte des Konzertes wenig bot. Die Band verzichtet nahezu völlig auf jede Bühnenshow, nur bei wenigen der Lieder gibt es eine Videoeinspielung auf der großen Leinwand, die ansonsten von einem Vorhang verdeckt bleibt.

Supertramp vertrauen auf die Kraft ihrer Lieder, auf ihre Musik, was aber nicht in jedem Fall gut geht: seichte Songs aus Davies' Feder, die mal bluesig, mal jazzig arrangiert sind. Zwar gespielt von exzellenten Musikern, die Songs aber säuseln irgendwie blutleer und belanglos durch die Luft.

Davon sind erstmal sechs Stücke zu hören, bevor sich etwas regt auf der Bühne. "Meine Damen und Herren, willkommen zur ersten, äh, zweiten Supertramp-Show seit acht Jahren", sagt ein höflicher John Helliwell (Saxophon), der auch noch bekennt, sich extra für den Abend ein neues Jackett zugelegt zu haben. Das glaubt man gern.

Die wirklich großen Momente bieten die Songs des genialen Komponisten Roger Hodgson, der seit Jahrzehnten lieber alleine tourt. Stücke wie "Take a look at my girlfriend", "Give a little bit", "It's raining again", "Logical Song" oder die Zugabe "Dreamer" sind die Höhepunkte des gut zweistündigen Konzertes. Denn die Band hat für Hodgsons hohe Stimme in Jesse Siebenberg (Sohn von Schlagzeuger Bob Siebenberg) einen perfekten Ersatz gefunden. Das sind die Songs, zu denen das Publikum sich von den Sitzen erhebt.

Und die auch Tommy Metz am besten gefallen. Der ist Gitarrenbauer aus Viersen und rüstet den Supertramp-Gitarristen Carl Verheyen aus. So auch am Samstag, als er ihm dessen Lieblingsgitarre vorbeibrachte, die er in seiner Werkstatt in Viersen pflegt. "Ich bin gar kein Supertramp-Fan", sagt er. "Aber das hat mir schon ganz gut gefallen."

Quelle: RP

 
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