Mönchengladbach: Aus Schülern werden Lehrer
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 15.09.2009Mönchengladbach (RPO). Was macht ein Lehrer in den Ferien? Und was macht einen guten Pädagogen aus? Die wichtigsten Antworten zum Lehrberuf bekamen 85 Schüler. Die Landesregierung will so gegen den Lehrermangel vorgehen.
Es gibt zwei Dinge, die Achmet Ucan stören. Das eine sind "Vorurteile gegenüber Jugendlichen mit türkischen Wurzeln", wie der 20-Jährige es nennt. Und das zweite sind Lehrer, die kein Interesse an Schülern haben. "Man muss einen Beruf mit Leidenschaft machen", sagt der Abiturient der Gesamtschule Volksgarten, und man nimmt ihm ab, dass er ein Lehrer mit viel Leidenschaft wäre. Alles zusammen macht ihn zu einem Wunsch-Kandidaten der Landesregierung, die händeringend nach Lehrkräften mit Migrationshintergrund sucht. Nur ein Prozent der Lehrer in NRW haben ausländische Wurzeln, aber 30 Prozent der Schüler.
Auch Humor ist wichtig
Darum war das gestern ein Bestandteil des Informationstages über den Lehrerberuf, den das Bildungsministerium beim Studienseminar für Lehrer in Auftrag gegeben hat. Etwa 85 Schüler verbrachten den eigentlich freien Nachmittag mit Lehrern, die ihnen erklärten, wie sie einer von ihnen werden können. Das ist eine Reaktion der Landesregierung auf den Lehrermangel. Es gibt auch noch ein zweites Problem: "Wir brauchen nicht nur mehr Lehrer, sondern vor allem die richtigen", sagt Karin Klein, Leiterin des Studienseminars. Nur wer ein guter Schüler und anschließend ein guter Mathematik-Wissenschaftler sei, der sei auch nicht gleich ein guter Pädagoge, sagt sie.
Ucan, der Hauptschulllehrer werden will, und André Kachlmeier (19) von der Gesamtschule Volksgarten wissen, was einen guten Lehrer ausmacht. Er muss den Unterricht spannend machen, interaktiv, wie ein Lehr-Moderator sein. "Nicht einfach nur ein Arbeitsblatt austeilen und machen lassen", sagt André Kachlmeier. Er soll freundlich sein und gerne Zeit mit Schülern verbringen, am besten auch außerhalb der Schule. Das alles, denkt Ucan, bringt er mit: "Deshalb will ich nie aus der Schule."
Doch den Lehrerberuf macht eben mehr aus als der Unterricht. "Das ist für mich der Teil meines Berufs, in dem ich mich erhole", sagt Hermann-Josef Müller, Schuldirektor der Willi-Graf-Realschule in Willich und gestern einer der Dozenten. Neben dem Unterricht stehen noch Vorbereitungen, Klausuren korrigieren, Konfliktgespräche mit Eltern und Schülern oder Verwaltungsarbeit an – alles am Nachmittag oder in den Ferien. Daher ging ein Raunen unter den Schülern, als Lehrerin Marese Herten ihnen erklärte, dass sie nicht viel Freizeit hätte. Und dass sie auch in den Ferien den Unterricht vorbereite Ucan: "Okay, ich geh' nach Hause." Er blieb. Ein angehender Lehrer muss eben auch Humor haben.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





