Mönchengladbach: Ausgesperrt und abgezockt
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 12.04.2010Mönchengladbach (RPO). Wer sich aussperrt und professionelle Hilfe ruft, erhält oft eine saftige Rechnung. Denn nicht selten verstecken sich hinter vermeintlich örtlichen Schlüsseldiensten auswärtige Abzocker-Unternehmen. Ein Rheydter hat es erlebt.
Es war Donnerstagnacht, als Helmut Gromotka seine Haustür aufschließen wollte und das Malheur passierte. Im Schloss brach der Bart ab. Dem Rheydter blieb nur eine Wahl: Schlüsseldienst anrufen. Weil er bereits von den vielen schwarzen Schafen in der Branche gehört hatte, wählte er aus dem Telefonbuch mit Bedacht einen Schlüsseldienst mit Mönchengladbacher Adresse. Schließlich wollte Gromotka keine lange Anfahrt bezahlen.
Kein Eintrag im Melderegister
Trotz versprochener schneller Hilfe braucht der Rheydter Geduld. Der herbeigerufene Schlüsseldienst-Mitarbeiter traf erst nach 75 Minuten ein. Kein Wunder: Der Mann kam aus Köln – von wegen Gladbacher Adresse. Und die Rechnung hatte es auch in sich: 290 Euro musste der Gromotka am Ende bezahlen, obwohl das Tür-Öffnen nur eine knappe Viertelstunde gedauert hatte.
Die Fallen
Preise Viele Schlüsseldienste nennen am Telefon Preise pro angefangene Viertelstunde. Vorsicht, warnt Dieter Broich, An- und Abfahrten werden auch berechnet.
Ersatzteile Als Laie lässt es sich oft nicht sagen, ob ein Schlosszylinder ausgewechselt werden muss. Erst recht nicht, wenn der Schlüsseldienst-Mitarbeiter das ausgewechselte Teil mitnimmt.
"Mit dem Nachtzuschlag wären eigentlich 120 bis 150 Euro angemessen gewesen", sagt Dieter Broich. Der Mönchengladbacher ist seit 29 Jahren in der Schlüsseldienst-Branche tätig und kennt die Tricks der unseriösen Mitbewerber. Schon mehrfach wollte der Handwerker gegen die schwarzen Schafe vorgehen. Doch immer vergebens. Dass viele Adressen von Schlüsseldiensten schlichtweg falsch sind, weiß Dieter Broich schon lange.
Im Fall des Dienstes, den Helmut Gromotka wählte, sieht es ähnlich aus. Unter der eingetragenen Telefonnummer meldet sich zwar ein Mitarbeiter, unter der Adresse ist aber laut Ordnungsamt kein Gewerbe gemeldet. Und selbst im Melderegister findet sich kein Eintrag. Rückschlüsse sind da wohl erlaubt. Laut Gelbe Seiten müsste es in Mönchengladbach mehr als 100 Schlüsseldienste geben. Tatsächlich registriert sind aber nur 42.
Für Schlüsseldienste gibt es keinen Berufsschutz. "Das kann eigentlich jeder machen", sagt Stefan Bresser, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Dieter Broich drückt es drastischer aus: "Theoretisch kann einer heute aus der Justizvollzugsanstalt entlassen werden und morgen einen Schlüsseldienst aufmachen." Als Broich vor 29 Jahren begann, sah das noch ganz anders aus: "Ohne Eintrag in die Handwerksrolle und Meistervergleichsprüfung durfte keiner rausfahren, um fremde Türen zu öffnen", sagt er.
Auch Hanna Masuhr, Leiterin der Verbraucherberatung, wünscht sich einen besseren Schutz vor Abzocker-Diensten. Sie hat schon Fälle erlebt, in denen Kunden für eine geöffnete Tür 500 Euro und mehr bezahlen mussten. Die Dienste hatten die Not der Kunden schamlos ausgenutzt. "Am besten ist es, wenn man sich schon vorher über seriöse Schlüsseldienste informiert", sagt sie. Ansonsten raten Hanna Masuhr und Stefan Bresser, schon am Telefon einen Festpreis auszumachen.
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