Mönchengladbach: Autokorsos - Polizei in Sorge
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 24.06.2010 - 17:05Mönchengladbach (RPO). Am Sonntag wird die Polizei ihre Präsenz in der Stadt verstärken. Der Grund: Gefährliche Situationen wie bei den Autokorsos nach dem Spiel Deutschland gegen Ghana mit rund 5000 Teilnehmern sollen diesmal verhindert werden.
In Rheydt wurde eine Frau verletzt, weil sie mit einer Deutschland-Fahne einen Bus durchwinken wollte und die Fahnenstange ihr dabei in den Bauch gestoßen wurde. Am Alten Markt fand eine spontane Sitzblokade auf der Kreuzung Aachener Straße/ Sandradstraße statt, die bei manchem Verkehrsteilnehmer ziemliche Aggressionen auslöste.
Die Polizei beobachtete angetrunkene Menschen, die mit komplettem Oberkörper aus den Seitenfenstern fahrender Autos hingen. In einem offenen Cabrio standen gleich acht Leute, in anderen Auto wurden drei Fußball-Fans im Kofferraum transportiert. Alles brenzlige Situationen, die böse ausgehen können. Deshalb will die Polizei auch am kommenden Sonntag, wenn Deutschland gegen England spielt, in der Stadt verstärkte Präsenz zeigen.
„Wir erwarten Fair-Play“
„Wir wollen keine Spielverderber sein“, sagt der Leitende Polizeidirektor Uli Fomferra. Autokorsos werden deshalb nicht verboten, aber auf gewisse Regeln müssten die Autofahrer schon achten. „Wenn jemand aus dem Wagen einen Gegenstand in den fließenden Verkehr wirft, dann ist das eine Straftat. Da können wir nicht einfach ein Auge zudrücken“, warnt Fomferra. In anderen Städten seien bereits Menschen schwer verletzt worden.
In Übach-Palenberg fiel zum Beispiel 31-Jährige beim Jubeln aus dem Seitenfenster eines fahrenden Autos und erlitt dabei schwere innere Verletzungen, berichtet Polizeisprecher Willy Theveßen. So etwas wolle man in Mönchengladbach verhindern. Und deshalb werden am Sonntag mehr Polizisten unterwegs sein, die Fans und Feiernde ganz gezielt ansprechen werden.
Unterstützung bekommen die Gladbacher Beamten durch die britische Militärpolizei. Denn eine Eskalation wie nach dem Spiel Borussia gegen die Bolton Wanderers am Alten Markt, als Fans und Hooligans aufeinander losgingen, soll nicht mehr wieder vorkommen. „So kurz vor dem Abzug der britischen Kräfte wollen wir ein gutes Bild als Gastgeberstadt hinterlassen“, sagt der Polizeidirektor.
Der Alte Markt wird am Sonntag auf jeden Fall für den Autoverkehr gesperrt – egal wie das Spiel ausgeht. Damit soll verhindert werden, dass Fußgänger oder Gastronomie-Gäste verletzt werden. Einschreiten wird die Polizei nicht unbedingt bei jedem Hupkonzert, aber wenn Menschen wie nach dem Spiel am Mittwoch sich plötzlich auf die B 57 setzen, müsse alleine schon zur Gefahrenabwehr etwas getan werden, so Fomferra.
Verboten bei Autokorsos ist außerdem: das Sitzen auf Autodächern oder Motorhauben, das Hinauslehnen aus den Fenstern oder Schiebedächern, und Alkohol am Steuer ist absolutes Tabu. Fomferra: „Alle Polizisten freuen sich oder leiden mit den Fußball-Fans, aber wir erwarten Fair-Play auch nach dem WM-Spiel.“
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