Mönchengladbach: Autokrise bedroht Jobs
VON HOLGER HINTZEN UND RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 20.11.2008Mönchengladbach (RPO). Der Einbruch auf dem Automarkt hat schon jetzt spürbare Folgen für die hiesigen Zulieferer. Die Krise, die über Nacht kam, sorgt für erhebliche Umsatzeinbußen und bedroht mittelfristig etliche Arbeitsplätze.
Eigentlich ist Buntes das Metier von Manfred Dohmen. Farbstoffe für Automobil-Textilien machen gut 40 Prozent des Geschäfts des Mönchengladbachers aus. Doch seit Giganten wie Opel wanken, ist die Perspektive für Dohmen eher einfarbig grau. Die Autokrise, so der Chef von weltweit 300 Mitarbeitern, „ist bis ganz hinten durchgeschlagen“.
Und das heißt: Arbeitsplätze sind bedroht. „Wenn das noch drei Monate anhält, werden wir wohl schmerzliche Konsequenzen ziehen müssen“, schwant Dohmen. 80 seiner Mitarbeiter sind am Standort Korschenbroich beschäftigt.
Ein Bein schwächelt
Die Unternehmen
Dohmen GmbH 300 Mitarbeiter weltweit, davon etwa 80 in Korschenbroich
Imat uve 100 Mitarbeiter in Europa, davon 36 in Mönchengladbach und Grefrath
Willy Schmitz Tuchfabrik 172 Mitarbeiter in MG, 68 in Süddeutschland
Aunde 83 Werke in 22 Ländern
Die traditionsreiche Tuchfabrik Willi Schmitz liefert Textilien auch für die Bekleidungs- und die Flugzeugindustrie. Doch das stärkere „Bein“ steht in der Autobranche: 65 Prozent des Geschäfts machen Autositze, Türverkleidungen, Innenraum-Himmel und andere „technische Textilien“ aus.
Wenn eines von zwei Beinen hinke, sei das immer noch besser, als nur ein Bein zu haben, meint Geschäftsführer Markus Schmitz. „Aber richtig gut voran kommt man so auch nicht.“ Sollte die Krise der Autobauer bis Mitte nächsten Jahres anhalten, will auch Schmitz nicht ausschließen, dass die Firma Arbeitsplätze abbauen muss. 172 Mitarbeiter hat sie in Mönchengladbach.
Rolf Königs, Geschäftsführer der weltweit operierenden Aunde-Gruppe, erinnert an die Krisenerfahrung der hiesigen Textiler: „Wir sind durch viele Erfahrungen gestählt“, so Königs. Eine Besonderheit gebe es allerdings schon. Während sich frühere Krisen oft lange abzeichneten, war diesmal im Oktober noch alles normal. „Und als Folge der Bankenkrise müssen wir nun plötzlich davon ausgehen, dass im Mittel im nächsten Jahr etwa 15 Prozent weniger Neuwagen produziert werden.“
Aunde treffe die aktuelle Lage nicht so hart wie andere. „Wir haben schon in guten Zeiten striktes Kostenmanagement betrieben. Davon profitieren wir jetzt“, so Königs. Folgen gibt es bei Aunde gleichwohl: Saisonkräfte werden in diesem Jahr nicht benötigt. Kostenträchtige Überstunden sind gestrichen. Die Strategie der Internationalisierung zahle sich gerade jetzt aus, sagt Königs. Denn nicht alle Märkte seien von der Krise gleich betroffen. So laufe beispielsweise das Werk in Mexiko hervorragend.
Optimistisch bleibt auch Dr. Hans-Peter Schlegelmilch. Zwar seien Umsätze akut noch nicht eingebrochen, sagt der Geschäftsführer des Testdienstleisters Imat uve. Aber vorsichtshalber will das an der Krefelder Straße ansässige Unternehmen nun Kosten straffen und weniger dringende oder „experimentelle“ Projekte zurückstellen. „„Ich glaube nicht, dass wir in eine echte Depression hineinrutschen.“
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