Mönchengladbach: Autokrise trifft Gladbach
VON GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 03.11.2008Mönchengladbach (RPO). Unter den Händlern tobt ein Verteilungskampf, bei den Zulieferern werden die Produktionen zurückgefahren. Ein Betrieb hat alle Leiharbeitnehmer entlassen. Auch Gladbach wird von der Krise auf dem Automarkt hart getroffen.
Die Krise der Automobilhersteller trifft auch Gladbacher Händler und Zulieferer hart. „Jeder muss für sich selber sorgen“, sagt eine Mitarbeiterin von BMW Kirsch, die anonym bleiben möchte. „Das ist ein Verdrängungswettbewerb, bei dem jeder sehen muss, dass er überlebt.“ Von den Herstellern könnten die Händler keine Hilfe erwarten. „Die Händler sind auf sich allein gestellt“, wird berichtet. „Die Kunden halten sich extrem zurück.“
Jeder gegen Jeden
Das sieht auch Armin Türk, Geschäftsführer des VW- und Audi-Händlers Autohaus Türk so. „Die Kaufzurückhaltung ist deutlich zu spüren“, sagt er auf RP-Anfrage. „Im Großen und Ganzen ist die Stimmung im Keller.“ Die Händler befinden sich in einer Zwickmühle. Während die Kunden sparen, sind in den Verträgen mit den Herstellern bestimmte Stückzahlen festgelegt, die abgesetzt werden müssen. „Jeder Händler ist Unternehmer“, sagt Türk. „Es liegt in der Hand eines jeden Unternehmens entsprechende Marketing-Aktivitäten zu entwickeln.“ In seinem Haus wird gerade an Konzepten gegen die Krise gearbeitet.
Bänder stehen still
Mercedes und Opel haben angekündigt ihre Produktionen zeitweise stillzulegen. Bei Mercedes stoppen die Bänder in den 14 Montage-Werken ab 11. Dezember für fünf Wochen. Im Bochumer Opelwerk wird im gesamten Dezember nicht gearbeitet.
Zulieferer spüren die Krise heftig. Zurzeit wird der Auftragsrückgang durch Abbau von Überstunden aufgefangen. Von den 350 000 Stellen sind 15 000 bedroht.
Frank Mund, Geschäftsführer vom Autohaus West, sieht die Situation etwas gelassener. „Es ist spannend, es gibt eine verhaltene Nachfrage“, sagt er. Der Nachfragerückgang sei nicht neu. „Im August hatten wir eine sehr starke Kaufzurückhaltung als die Energiepreise angepasst wurden“, hat er festgestellt.
Zudem gäbe es eine deutliche Verschiebung auf dem Markt. Große, verbrauchsintensive Limousinen seien nicht mehr so gefragt. „Der Trend geht zu kleineren Fahrzeugen, die verbrauchsarm sind und alternativen Antriebstechniken wie Flüssiggas“, berichtet Mund. Außerdem behalten die Kunden ihr Auto länger als früher.
„Die Aufträge gehen zurück und das hat erste Auswirkungen“, berichtet Reimund Strauß, erster Bevollmächtigter der IG Metall in Gladbach. „Die Leidtragenden der ganzen Situation sind die neu eingestellten Mitarbeiter. Die müssen als erste gehen.“
Besonders Leiharbeiter verlieren in diesen Tagen ihren Job. „In einem Unternehmen mussten die den Betrieb schon verlassen“, weiß Strauß. Aber auch für die festen Beschäftigten ist der Auftragsrückgang durch die Produktionsstopps bei den Herstellern mit Einschränkungen verbunden. Überstunden werden nicht mehr ausbezahlt, sondern mit Freizeit abgegolten. Die Schichten werden auf Normalproduktion heruntergefahren.
Bei EMG Monforts ist kein Ende der Kurzarbeit abzusehen. „Da drücken aber noch Altlasten aus der Vergangenheit“, sagt Strauß. Das muss nun unter erschwerten Bedingungen geschehen. Dass die Aussetzung der Kfz-Steuer für Neufahrzeuge 2009 die Nachfrage ankurbelt, glaubt Strauß nicht. „Das ist nur Kosmetik“, sagt er. Aber Strauß ist überzeugt, dass die Krise nächstes Jahr zu Ende gehen wird. „Die Nachfrage wird steigen, aber nicht mehr das Niveau erreichen, das wir bisher gewohnt waren.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





