Mönchengladbach: Baby-Boom in Grundschulen
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 12.08.2008Mönchengladbach (RPO). Theoretisch war die Lehrerversorgung noch nie so gut wie jetzt. Trotzdem kann es zu Unterrichtsausfällen kommen: Denn in den Grundschulen sind viele Lehrerinnen schwanger. Und Vertretungskräfte sind kaum zu finden.
Lehrerbestand
Die Anzahl der Lehrer:
Grundschulen 601
Hauptschulen 352
Förderschulen 269
Realschulen 166
Gymnasien 441
Gesamtschulen 352
Auf dem Papier sieht die Situation hervorragend aus. Wenn es allein danach ginge, dürfte kein Unterricht und keine AG ausfallen. Denn rein rechnerisch sind die Schulen zu 100 bis 105 Prozent mit Lehrern versorgt. Hört sich gut an, aber es gibt wie immer Einschränkungen: An den Grundschulen der Stadt fehlen zum Beispiel derzeit mindestens 15 Lehrer, und bis zum Schuljahresbeginn könnten noch mehr Lücken entstehen. Der Grund: Viele Grundschullehrerinnen bekommen Kinder. Allein 53 Pädagoginnen befinden sich derzeit in Elternzeit, sagt Schulrat Karl-Heinz Mateisen, der zurzeit Monika Franzen vertritt. Und die Zahl kann sich sehr schnell erhöhen. Denn Grundschulkollegien bestehen zu nahezu 90 Prozent aus Frauen, und an keiner anderen Schulform gibt es so viele Lehrerinnen unter 35 Jahren. Familienplanung ist da ein großes Thema.
Beschäftigungsverbot
Vom Land gibt es zwar Geld für Vertretungen, aber die Lehrer fehlen. „Wir müssen auf die Referendare warten, die zum 1. Februar fertig werden“, erklärt Mateisen. Bis dahin vertreten sich viele Grundschullehrerin in Elternzeit selbst mit reduzierter Stundenzahl. Auf „Quereinsteiger“ greift man im Grundschulbereich nicht so gerne zurück. „Das ist ein sehr empfindlicher Bildungsbereich. Da brauchen wir Fachleute“, sagt Mateisen.
An den Förderschulen gibt es ein ähnliches Phänomen. Auch hier können viele Lehrerinnen in Elternzeit nicht ersetzt werden. „Der Markt ist schon seit Jahren leergefegt“, sagt Schulrätin Gerlinde Bieker, Und es gibt einen weiteren Aspekt, der die Lage an den Förderschulen zuspitzt. Zum Schutz des ungeborenen Lebens wird schwangeren Pädagoginnen oft Beschäftigungsverbot bis zur Geburt erteilt. Wegen des Immunschutzes. „Das hängt damit zusammen, dass Förderschüler häufig hygienisch betreut werden müssen und dass einige Schüler ein größeres Aggressionspotential haben“, sagt Gerlinde Bieker.
Auch an Mönchengladbachs Hauptschulen gibt es Ausfälle. Doch die haben einen ganz anderen Grund: Hier ist der Altersdurchschnitt der Lehrer erheblich höher, und viele Pädagogen sind langfristig und ernsthaft erkrankt. „Manche leiden an Krebs oder hatten einen Schlaganfall, aber es sind auch zunehmend psychische Erkrankungen darunter – wie Burn-out-Syndrom“, sagt Schulamtsdirektor Walter Steinhäuser. Das Problem an den Hauptschulen: Es gibt kein Geld für Vertretungslehrer. Landesweit herrscht nämlich eine Überversorgung an Hauptschullehrern. Theoretisch könnten Lehrer aus anderen Städten nach Mönchengladbach versetzt werden, aber eben nur theoretisch. Steinhäuser hat Etfahrung und weiß: „Das ist kaum durchzusetzen.“
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