Mönchengladbach: Bäume müssen weg
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 20.03.2009Mönchengladbach (RPO). Hohenzollernstraße, Gartenstraße, vielleicht bald Trompeterallee: An zahlreichen Stellen in der Stadt werden Bäume an Straßen verschwinden. Alternativen gibt's kaum. Denn Wurzeln beschädigen Leitungen und Radwege.
In drei Monaten verlässt der städtische Baumexperte Paul Brickwedde die Stadtverwaltung: Der 64-jährige Leiter der Grünflächen-Abteilung wird pensioniert. Seinem Nachfolger hinterlässt er ein schweres Erbe. Denn in den nächsten Jahren wird die Stadt an zahlreichen Stellen in der Stadt vor der Frage stehen, ob sie Straßenbäume erhalten kann. Was an der Gartenstraße vor Monaten zum Problem wurde und derzeit Anwohner der Hohenzollernstraße verärgert, könnte bald auch an der Zeppelinstraße oder an der Trompeterallee zum Thema werden: Wurzeln der 30 000 Gladbacher Straßenbäume beschädigen dermaßen Fahrbahn, Bürgersteig und Radwege, dass sie womöglich gefällt werden müssen.
Baum-Bilanz
Straßenbäume Die Stadt geht von insgesamt 30 000 Bäumen aus, die an Gladbachs Straßen und Wegen stehen.
Neupflanzung Im Vorjahr hat die Stadt 418 Bäume an Straßen und Wegen neu gepflanzt. Weitere 200 in Landschaftsräumen.
Fällung 65 Straßenbäume wurden 2008 Opfer der Säge.
Keine Alternative
An der Gartenstraße herrscht im Moment Ruhe. Die Stadt hat die Stellen, an denen die Baumwurzeln die Decke des Radweges hochgedrückt hatten, ausgekoffert und anschließend mit einem so genannten Kaltasphalt überzogen. Rad fahren ist jetzt möglich, ohne ständig über große Wellen rollen zu müssen. Doch die Lösung ist nicht von Dauer. "In zwei, drei Jahren haben wir wieder ähnliche Probleme. Und dann gibt es keine Alternativen mehr", sagte Hans-Günter Petry, Leiter des städtischen Fachbereichs Ingenieurbüro und Baubetrieb, jüngst bei einer Bürgerversammlung. Keine Alternative heißt: Die Bäume müssen verschwinden. Dagegen regt sich dann oft breiter Bürgerprotest. So wie an der Hohenzollernstraße, wo eine Bürgerinitiative verhindern will, dass acht Platanen und Linden gefällt werden. Darüber werden zwar die Bau- und Planungspolitiker bei ihrer nächsten Sitzung erst noch endgültig entscheiden. Doch Baumfreund Paul Brickwedde hofft, dass sie seiner Empfehlung folgen. Denn: "Wir können Vernünftiges machen, einen neuen Radweg anlegen und den Bürgersteig sanieren. Die neu zu pflanzenden jungen Bäume bekommen ein Umfeld, damit sie sich prächtig entwickeln können." Das bedeutet unter anderem: Der Boden wird besonders vorbereitet, es werden Lüftungsrohre für die Wurzeln eingelassen. Spezielle Lockstoffe sorgen dafür, dass die Wurzeln in die Tiefe und nicht in die Breite gehen. Versorgungsleitungen werden abgesichert, damit sie nicht, wie die Gas-Hochdruckleitung an der Hohenzollernstraße, durch Baumwurzeln beschädigt werden können.
Mit diesem Vorgehen hat die Stadt an anderen Stellen gute Ergebnisse erzielt: etwa an der Viersener Straße, Volksgartenstraße, Nesselrodestraße. Überall verschwanden die von den Planern nicht sehr geliebten Platanen und wurden ersetzt durch Eichen und Ahorn. "Alle Bäume sind wunderbar angegangen und haben sich prächtig entwickelt", sagt Brickwedde. Gibt es eine Alternative? Brickwedde: "Es gibt Städte, die ersetzen die Straßenbäume alle 40 bis 50 Jahre. Doch das wollen wir nicht."
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