Mönchengladbach: Bahn-Chaos statt Elektrozug
VON DIETER WEBER UND LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 11.12.2009Mönchengladbach (RPO). Triebwagen mit Videoüberwachung und Behinderten-WC – sie sollten ab Sonntag zwischen Mönchengladbach und Hamm fahren. Doch das private Bahnunternehmen zog die Notbremse. Eine Verbindung nach Venlo bleibt.
Der Sonntag war bei Lothar Beine verplant. Der SPD-Fraktionsvorsitzende, der als Bahnexperte für die Stadt im Aufsichtsrat des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) sitzt, hatte sich den 13. rot im Kalender angestrichen.
Denn am Sonntag wollte die Eurobahn zum Fahrplanwechsel ein neues Kapitel in der Bahngeschichte aufschlagen: Der zur Keolis-Gruppe gehörende private Anbieter von Schienen-Personenverkehr wollte für die Strecke von Venlo über Mönchengladbach bis nach Hamm (RE 13) hochmoderne Elektro-Triebwagen einsetzen.
Daraus wird nichts. Das Eisenbahnbundesamt hat die neuen Züge mit dem schönen Namen "Flirt" ausgebremst. Statt des "Großen Bahnhofs", der am Sonntag im Düsseldorfer Hauptbahnhof das erste Abfahrtssignal begleiten sollte, herrscht Katzenjammer. "Ich bin stinksauer", schimpft Beine.
Nach Venlo planmäßig
Immerhin gelang es dem VRR, zu retten, was zu retten ist. Die Deutsche Bahn Regio, die derzeit die Strecke bedient und in der Ausschreibung unterlegen war, setzt ab Sonntag Züge für die Strecke zwischen Gladbach und Venlo ein. Da fährt die Linie RE 13 planmäßig.
Die Route über Düsseldorf, Wuppertal bis nach Hamm wurde gekappt, und niemand weiß, wann der RE 13 wieder voll auf diesem Teilstück fährt. Denn die Züge sind weitgehend anderweitig eingesetzt. Und die Lokführer ebenso.
"Ärgerlich. Auf der Strecke von Gladbach nach Hagen hätte es einen Halbstundentakt gegeben, weil hier neben der Eurobahn auch ein Regionalexpress fahren sollte. Wenn die Eurobahn wegfällt, ist das Angebot viel schlechter", sagt der NRW-Vorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Stefan Houbertz.
Das Eisenbahnbundesamt (EBA) hat dem Hersteller der Eurobahn-Züge nach eigenen Angaben bereits 2006 anstehende Veränderungen von Normen mitgeteilt. Die ausstehenden Unterlagen beträfen sicherheitsrelevante Bauteile wie Radsätze und Bremsen, so das EBA. Notwendige Versuchsfahrten seien auch nicht abgeschlossen.
Das EBA habe den Hersteller darüber hinaus im März 2009 auf geänderte Anforderungen für einzelne Bauteile hingewiesen. Auch für diese Komponenten seien die Dokumente unvollständig. Die Eurobahn kannte die Probleme des Herstellers, der aber der Geschäftsführung versicherte, die fehlende Zulassung bis zum Fahrplanwechsel zu erhalten. Am Mittwoch zog Eurobahn-Chef Hans Leister die Notbremse.
Die Kunden, die sich auf helle und freundlich gestaltete Züge mit Videoüberwachung, Einstiegsrampen für Rollstuhlfahrer und behindertengerechten Toiletten gefreut hatten, steigen vorerst weiter in Uralt-Wagen der DB ein. SPD-Politiker Beine kann jedoch trotzdem im Bahnhof eine Zug-Party feiern. Allerdings im Gladbacher. Da fährt um 12.05 Uhr auf Gleis 6 der erste Intercity in Richtung Berlin ab. Und das mit großem Tamtam.
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