Mönchengladbach: Bankräuber ist ein Polizist
VON MAIKE SCHULTE UND KERSTIN DE HAAS - zuletzt aktualisiert: 25.07.2008 - 14:59Der Schock bei der Mönchengladbacher Polizei sitzt tief: Ein langjähriger Kollege ist für den Überfall auf die Stadtsparkasse Hardterbroich vom Montag verantwortlich. Der 53-jährige Oberkommissar hat die Tat bereits gestanden.
Der Polizist hatte eine Kassiererin mit einer Faustfeuerwaffe bedroht und die Herausgabe des Bargeldbestandes gefordert. Fest steht: Für den Überfall hat der Beamte nicht seine Dienstwaffe benutzt, sondern einen eigenen Revolver. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden die Ermittler insgesamt acht Waffen - und einen größeren Geldbetrag aus der Beute, die insgesamt in vierstelliger Höhe liegt.
Der Oberkommissar, der seit über 30 Jahren bei der Polizei, zuletzt im Verkehrsdienst, tätig ist, hatte zur Tatzeit Urlaub. Im Polizeipräsidium hatte er vor dem Überfall das Fahrrad eines Kollegen gestohlen und nutzte es als Fluchtfahrzeug.
Der Beamte lebte mit seiner Frau und dem 14-jährigen Sohn zusammen. Die Hintergründe der Tat liegen noch im Dunkeln. Im Verhör hat der Bankräuber noch keine Details zur Tat genannt. Ermittelt wird gegen ihn wegen des Verdachts der schweren räuberischen Erpressung. Für eine solche Tat sehe das Gesetz eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren vor, sagte Oberstaatsanwalt Peter Aldenhoff bei einer Pressekonferenz. Ansatzpunkte für strafmildernde Umstände habe man bislang nicht gefunden.
Die Kollegen haben ihn erkannt
Bereits zwei Tage nach dem bewaffneten Raubüberfall auf die Stadtsparkassen-Filiale war bekannt geworden, dass der Täter das bei seiner Flucht verwendete Fahrrad kurz vor der Tatausführung vom Gelände des Polizeipräsidiums an der Theodor-Heuss-Straße gestohlen hatte.
Der Eigentümer, ein Polizeibeamter, erkannte das Fahrrad anhand der Fotoveröffentlichungen zweifelsfrei wieder. Mit diesem ersten Ermittlungserfolg konzentrierte sich die Arbeit der zuständigen Ermittlungskommission auch auf die Möglichkeit, dass ein Mitarbeiter des Polizeipräsidiums als Täter in Betracht kommen kann. "Das ist natürlich mit das Schlimmste, was uns passieren kann", sagte Polizeipräsident Dr. Walter Büchsel sichtlich betroffen bei der Pressekonferenz.
Am Donnerstag meldeten sich dann unabhängig von einander gleich mehrere Beamte des Präsidiums, die auf den veröffentlichten Fahndungsfotos einen Kollegen aus den eigenen Reihen zu erkennen glaubten. Eine Einsichtnahme in die Aufzeichnungsvideos aus der Überwachungsanlage der Stadtsparkasse gab den Zeugen die letzte Gewissheit. Dank der guten Bilder war der schnelle Fahndungserfolg überhaupt erst möglich, sagte Büchsel weiter.
Mit SEK zur Festnahme
Mit Unterstützung eines Spezialeinsatzkommandos rückte die Polizei am Donnerstagabend gegen 20.30 Uhr vor dem Haus des Tatverdächtigen an. Die Festnahme gelang "dank einer guten Gelegenheit" dann aber "völlig unspektakulär", weil der Verdächtige gerade das Haus verließ und in sein Auto steigen wollte, wie Rolf Flocken erklärte. Er habe sich widerstandslos festnehmen lassen.
Bei der anschließenden Hausdurchsuchung stellte die Polizei insgesamt acht Schusswaffen (drei Gas-Trommelrevolver, vier Gaspistolen und ein Luftgewehr), mehrere Kleidungsstücke, die vermutlich bei der Tatausführung getragen wurden, und einen Bargeldbetrag in diversen Stückelungen sicher.
In seiner verantwortlichen Vernehmung gab der Polizeibeamte den Raubüberfall zu. Weitere Angaben machte er nicht. Er wurde heute dem Haftrichter mit dem Antrag auf Erlass eines Untersuchungshaftbefehls vorgeführt.
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