Mönchengladbach: Bedroht, genötigt, verprügelt
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 20.03.2007Mönchengladbach (RPO). Ein Doppelmord wie in Rheydt ist die extremste Form eines Problems, das die Polizei täglich beschäftigt: 376 Notrufe wegen häuslicher Gewalt gab es im vergangenen Jahr. Die Opfer: fast immer Frauen.
Silke S.* (31) war schon häufig von ihrem Mann geschlagen worden. Als sie sich endlich entschied, ihn zu verlassen, rastete Markus S.* (46) vollkommen aus. „Wenn Nachbarn nicht die Polizei alarmiert hätten, wäre ich heute vielleicht tot“, sagt sie.
„In Trennungssituationen sind Frauen äußerst stark gefährdet“, weiß Doris Ingenhag von der Frauenberatungsstelle. Der Doppelmord an der Frankenstraße habe das gezeigt. Der Fall der 17-jährigen Schülerin, die im November mit 30 Messerstichen von ihrem Ex-Freund getötet wurde, sei ein weiteres Beispiel. „Sie glauben gar nicht, wie oft Männer drohen: ,Wenn ich dich nicht haben kann, dann soll dich auch kein anderer haben.’“ 264 Frauen suchten im vergangenen Jahr die Frauenberatungsstelle auf. Knapp die Hälfte davon war von Gewalt betroffen. Ingenhag: „Das ist ein ganz, ganz ernstes Thema.“
Häusliche Gewalt
373 Strafanzeigen wurden 2006 wegen häuslicher Gewalt gestellt.
104 Wohnungsverweisungen und Rückkehrverbote wurden gegen Täter ausgesprochen.
128 Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen waren, meldeten sich bei der Frauenberatungsstelle.
49 Notrufe gab es in diesem Jahr bis Ende Februar bei der Polizei.
Elfmal handelte es sich um „gefährliche Körperverletzung“,
32-mal um Körperverletzung.
Wenn Messer gezückt werden
Die Zahlen bei der Polizei belegen das. Im Jahr 2006 wurden in der Statistik für „häusliche Gewalt“ 82 Fälle von schwerer Körperverletzung registriert. „Und das bedeutet mehr, als einmal mit der Faust zuzuschlagen“, sagt ein Polizeisprecher. Von schwerer Körperverletzung sprechen die Ordnungshüter, wenn mit einem schweren Gegenstand zugeschlagen wird, wenn am Boden Liegende getreten oder wenn Messer gezückt werden.
In der Polizeistatistik wird nicht unterschieden zwischen deutschen und ausländischen Tätern. Doch an den Vornamen in den Anzeigenprotokollen lässt sich erkennen, dass es in Familien mit Migrationshintergrund häufiger eskaliert, bestätigen Insider.
In der Frauenberatungsstelle an der Kaiserstraße suchen auch muslimische Frauen Hilfe. „Unser Beratungsangebot gilt natürlich auch für sie. Gewalt in der Familie kommt überall vor – in allen Schichten und allen Nationalitäten“, sagt Doris Ingenhag. Doch bis jetzt seien ausländische Frauen in den Beratungsbüros noch die Minderheit. Vielleicht liegt es an Verständigungsschwierigkeiten, vielleicht auch schlicht und ergreifend an der Scham. Die zu überwinden sei sehr schwer, sagt Doris Ingenhag. „Oft ist das Bild der Familie ja nach außen hin auch ein ganz anderes. Wie oft höre ich: ,Wenn Sie sich mit meinem Mann unterhalten würden, kämen Sie nie auf die Idee, was für ein Teufel er sein kann.’“ Dazu komme der Druck von außen. Frauen mit Trennungsabsicht müssten anhören: „Das kannst du nicht machen“, „Denk an die Kinder“ oder „Wie willst du das finanziell schaffen?“.
Problematisch findet Doris Ingenhag, wenn gewalttätigen Männern das Umgangsrecht mit den gemeinsamen Kindern zugesprochen wird, auch wenn es ein begleitetes Umgangsrecht ist. „Die Frauen kommen so immer wieder in Kontakt mit ihren Peinigern. Häufig lauerten die Männer ihnen vor oder nach den Treffen auf, um sie erneut zu drangsalieren.
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