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Mönchengladbach: Beerdigungs-Farce in Hockstein

VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 20.08.2008

Mönchengladbach (RPO). Vor zehn Tagen starb Horst Potz. Der Fähnrich der St. Margareten-Bruderschaft war evangelisch wie seine Frau Gisela. Die muss konvertieren, damit ihr Mann auf dem katholischen Friedhof beigesetzt werden darf.

Die Ursache des Defizits: Immer weniger Menschen entscheiden sich für eine Erd-, immer mehr für eine Urnenbestattung. Die Preise für letztere sollen deshalb um 72 Prozent steigen.  Foto: RPO
Die Ursache des Defizits: Immer weniger Menschen entscheiden sich für eine Erd-, immer mehr für eine Urnenbestattung. Die Preise für letztere sollen deshalb um 72 Prozent steigen. Foto: RPO

Gisela Potz ist in tiefer Trauer. Vor zehn Tagen ist ihr Mann Horst gestorben. Der Fähnrich der St. Margareten-Bruderschaft Hockstein erlag am Kirmessonntag im Alter von 66 Jahren einem Krebsleiden. Am Freitag soll er auf dem katholischen Friedhof hinter der Hocksteiner Pfarrkirche beerdigt werden. Doch damit er dort seine letzte Ruhe finden kann, muss seine Ehefrau konvertieren. Horst Potz war evangelisch, Gisela Potz ist es ebenfalls. Ab morgen wird sie katholisch sein, damit der Friedhofssatzung der Kirchengemeinde Hockstein Genüge getan wird. Die besagt nämlich, dass der Verstorbene mindestens zehn Jahre im Ort gelebt und der katholischen Gemeinde angehört haben muss. Ausnahme: Wenn der Partner katholisch ist, darf der evangelische Verstorbene katholisch bestattet werden, damit sie im Tode nicht auseinander gerissen werden.

Info

Friedhofssatzung

Recht Diese rechtlichen Beziehungen zwischen dem Träger und den Benutzern sind in der Friedhofssatzung geregelt. Die Friedhofssatzung ist in etwa vergleichbar mit einem Mietvertrag in Verbindung mit einer Hausordnung und stellt für alle verbindliches, objektives Recht dar.

Regeln Die Friedhofssatzung regelt dabei viele Punkte: z. B. die Ordnung auf dem Friedhof, Bestattungsvorschriften und Rechtsverhältnisse an Grabstätten.

„Die Voraussetzungen müssen erfüllt werden“, sagt Michael Klein vom Kirchenvorstand, „unsere Satzung schreibt nun mal verbindliche Regeln fest.“ Deshalb hält er die Konversion von Gisela Potz für unabdingbar für die katholische Bestattung ihres Mannes. Das ist ein Weg, den Gisela Potz notgedrungen geht, denn am Tag nach dem Ableben ihres Mannes hatte der Kirchenvorstand die Beerdigung des Fähnrichs auf dem katholischen Friedhof kategorisch abgelehnt.

„Gisela hatte überhaupt keine andere Wahl, aber jetzt sieht das so aus, als würden die Entscheidungsträger der Gemeinde der Witwe auch noch einen mächtigen Gefallen tun“, heißt es voller Empörung aus Schützenkreisen. Dabei sei Horst Potz als engagierter Bruderschaftler und Fähnrich doch im besten Sinne auch „katholisch aktiv“ gewesen.

Im Gegensatz zur Stadt, die verpflichtet ist, die Toten auf ihren Friedhöfen zu beerdigen, haben die kirchlichen Träger ihre individuellen Satzungen. Sie dürfen die Beisetzung auf ihrem Gottesacker durchaus verweigern. „Aber da werden immer mal wieder auch Ausnahmen von den Regeln zugelassen“, heißt es aus der katholischen Kirchenführung, die sich nicht in den Streit einmischen will. In Hockstein hat seit dem Weggang von Pfarrer Harald Josephs der Kirchenvorstand das Sagen. Und zwar solange, bis Pfarrer Michael Schicks im September seinen Dienst in St. Margareta antritt.

Jürgen Lenz, Vorsitzender der St. Margareten-Schützen steht der Familie Potz in diesen schweren Tagen zur Seite. „Wir haben uns bemüht, eine Lösung für das Problem zu finden. Schließlich geht es um einen von uns.“ Und vor allem auch darum, den Hinterbliebenen Kraft zu geben. Denn Gisela Potz und ihre Kinder seien nicht nur in Trauer, sondern verständlicherweise auch in Rage. „Wir möchten einfach eine würdige Beerdigung für Horst“, sagt Jürgen Lenz.

Quelle: RP

 
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