Mönchengladbach: Beileidsbriefe: Geld gestohlen?
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 03.08.2009Mönchengladbach (RPO). Papierschnipsel am Wegesrand entpuppten sich als zerrissene Kondolenzbriefe. Offenbar gibt es skrupellose Menschen, die Todesanzeigen lesen und dann die – oft mit Geld gefüllten – Trauerbriefe aus den Kästen stehlen.
Heidi Sieg ist wahrscheinlich eine der fleißigsten Briefeschreiberinnen in der Stadt. Der klassische Austausch in schwungvoller Schrift auf hübschem Papier ist für sie eine der schönsten Freizeitbeschäftigungen überhaupt. Und über die Post, die in ihrem Briefkasten landet, freut sie sich sehr. Immer wieder einmal geschieht es aber, dass Briefe nicht ankommen.
Das hat Heidi Sieg in der Vergangenheit schon häufiger veranlasst, sich an die Nachforschungsstelle der Deutschen Post zu wenden. Im aktuellen Fall ist sie besonders traurig und wütend. "Nach dem Tod meiner Mutter erhielt ich eine Menge Kondolenzpost", sagt sie. Sie wunderte sich aber, dass einige angekündigte Briefe fehlten. "Sechs Briefe mit Geldinhalt habe ich nie in meinem Kasten gefunden." Viele Menschen legen ihren Beileidsschreiben Geldscheine für die Grabpflege bei, so hatten es auch Freunde von Heidi Sieg getan. Das Geld kam aber nicht bei ihr an.
Nachforschungsantrag
Verlust Wenn Sie bemerken, dass ein Brief seinen Adressaten nicht erreicht hat, können Sie bei der Deutschen Post einen Nachforschungsantrag stellen. Das gilt auch für Poststücke, die ins Ausland geschickt wurden.
Online geht das ganz einfach mit einem bereitgestellten Formular unter www.deutschepost.de
Eine mögliche Erklärung für das Verschwinden der Trauerpost hat Siegrid Austin. Sie geht regelmäßig mit ihrem Hund Sam in den ländlichen Regionen bei Wolfsittard spazieren. "Schon häufiger fielen mir dabei Papierschnipsel am Wegesrand auf", sagt sie. Als sie diese näher in Augenschein nahm, erkannte sie, dass es sich um zerrissene Beileidsbriefe handelte. "Ich hatte schon mal davon gehört, dass es Menschen gibt, die gezielt die Todesanzeigen lesen und dann die Kondolenzpost aus den Briefkästen der Trauerhäuser fischen." Offenbar, so folgert sie, nehmen sie das Geld aus den Umschlägen und schmeißen den Rest einfach weg. "Ich finde das total schrecklich und gemein", sagt Siegrid Austin.
Heidi Sieg hat sich an die Deutsche Post gewandt. Aber sie rechnet nicht damit, dass die Nachforschungsstelle fündig wird. "Wahrscheinlich werde ich demnächst über die erfolglosen Recherchen informiert", ist sich die Schelsenerin sicher.
Achim Gahr von der Pressestelle der Post hat schon davon gehört, dass mit Geld versehene Trauerbriefe, aber auch Glückwunschpost zur Kommunion oder Konfirmation verloren gingen. "Es ist nicht nur leichtfertig, sondern auch verboten, Geldscheine per Briefpost zu verschicken", sagt er. Dafür gebe es schließlich Konten, auf die das Geld überwiesen werden könnten. "Außerdem appellieren wir immer wieder an Hauseigentümer und Vermieter, Briefkästen mit Din-Norm zu installieren. Da kann normalerweise niemand von außen etwas herausholen."
Jürgen Lützen von der Pressestelle der Gladbacher Polizei hat nachgehört. "Ich bin sicher, dass es solche gemeinen Diebstähle häufiger gibt, aber bei uns ist so ein Fall noch nie angezeigt worden."
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