Mönchengladbach: Beines ist insolvent: 46 Mitarbeiter betroffen
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 31.05.2010Mönchengladbach (RPO). Das älteste Gladbacher Unternehmen steht vor dem Aus: Der 176 Jahre alte Familienbetrieb Wilhelm Beines Söhne GmbH, der auf das Färben und Bedrucken von Kleidung spezialisiert ist, hat am Freitag Insolvenz angemeldet. Betroffen sind 46 Mitarbeiter. Das Unternehmen, das in sechster Generation von der Familie Beines geführt wird, ist nicht das erste Mal in Schieflage geraten.
Nur Arbeit bis Juli
Schon 2006 mussten die Brüder Dieter und Horst Beines Insolvenz anmelden, gingen aber damals gestärkt aus dem Verfahren hervor. Doch im letzten Jahr gab es viel Kurzarbeit an der Bachstraße. Trotzdem kam die Nachricht für die meisten der Mitarbeiter überraschend. Rund ein Drittel von ihnen arbeitet schon seit mehr als 30 Jahren für Beines. Sie werden nach jetzigem Stand wohl nur noch bis zum Ende der Betriebsferien Ende Juli Arbeit haben. Die Auftragsbücher für die Winterkollektion sind nur halb so voll wie sonst um die Zeit. "Wir haben bis zur letzten Sekunde gekämpft. Aber die Fortführung ohne einen Partner funktioniert nicht mehr", sagte Dieter Beines der RP, der damit auch für seinen Bruder Horst spricht.
Wilhelm Beines & Söhne bedrucken Stoffe für Damenoberbekleidung. Den zunehmenden Wechsel auf digitalen Druck hatten die Brüder Beines noch nachvollzogen und dafür auch investiert. Auch die Übernahme einer Druckerei, die Stoffe für Gartenmöbel bedruckt, im vergangenen Herbst schien sich auszuzahlen. "Dieser Teil unseres Geschäfts lief zuletzt noch vergleichsweise gut", so Dieter Beines. Doch das Kerngeschäft geriet immer mehr ins Stocken. Zu den ausbleibenden Aufträgen kam noch ein seit Jahresbeginn um bis zu 60 Prozent gestiegener Baumwollpreis. "Für uns als Familienunternehmer sind das sehr bittere Stunden", sagt Dieter Beines. Mit Andreas Beines war erst unlängst die sechste Generation in den Betrieb eingestiegen.
Von den vor zehn Jahren noch sechs existierenden Textildruckereien in Mönchengladbach ist Beines & Söhne die letzte verbliebene. Auch einer der großen Konkurrenten aus Süddeutschland musste aufgeben. Ein Großteil des deutschen Geschäfts wird inzwischen in Asien gemacht. Insolvent ist außer der GmbH auch noch die Vertriebstochter. Zwei Insolvenzverwalter werden nun versuchen, im Kreis der Kunden Interessenten für eine Beteiligung zu finden.
Betroffen hat Gladbachs Wirtschaftsförderer Dr. Ulrich Schückhaus die Nachricht aufgenommen. Bisher war die Stadt vergleichsweise gut durch die Weltwirtschaftskrise gekommen. "Doch es war zu befürchten, dass einigen, bei denen es im vergangenen Jahr Kurzarbeit gab, jetzt die Luft ausgeht", so Schückhaus. Er geht davon aus, dass im Laufe des Jahres noch mehr Mönchengladbacher Firmen in die Insolvenz gehen werden.
Schornstein ein Wahrzeichen
Wilhelm Beines & Söhne hatte als Wollwäscherei angefangen. 1890 zog das Unternehmen an die Bachstraße. Dort wird bis auf den heutigen Tag produziert. Der große Schornstein ist von weitem zu sehen. Kein anderes Unternehmen in der Stadt ist laut Handelsregister älter. Doch was die Weltwirtschaftskrise der 30er-Jahre nicht vermochte, könnte jetzt eintreten: Das endgültige Aus für einen der letzten Zeugen der Blütezeit der Textilindustrie in der Stadt.
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