Mönchengladbach/Krefeld: Betrog Professor Studenten?
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 03.11.2009Mönchengladbach/Krefeld (RPO). Hunderte Studenten der Hochschule Niederrhein sollen 800 Euro für ein Zertifikat bezahlt haben, das offenbar keinerlei Wert hat. Etwa 60.000 bis 70.000 Euro soll der Professor pro Jahr in seine eigene Tasche gesteckt haben.
Norbert P. ist Student an der Hochschule Niederrhein. In Kürze wird er sein Diplom am Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen und Gesundheitswesen machen und sich auf dem Arbeitsmarkt bewerben. Bis vor kurzem rechnete er sich große Chancen auf einen Job im Bereich Qualitätsmanagement aus. Denn zusätzlich zu seinem Hochschulabschluss hat er ein besonderes Zertifikat. Bei einem seiner Professoren konnte er ein Seminar besuchen, das ihn zwar 800 Euro zusätzlich zu seinen Studiengebühren kostete, aber dafür wurde er mit einem REFA-Zertifikat belohnt. Jetzt weiß er: Diese Bescheinigung ist ungültig.
Hunderte Studenten sind betroffen
Studieren ist teuer
Studiengebühren Pro Semester zahlen die Studenten etwa 500 Euro Studiengebühren plus 200 Euro Verwaltungskosten.
Protest Die Studierenden wandten sich von Anfang an gegen die Studiengebühren. Ihre Proteste wurden massiv, als herauskam, dass das Rektorat der Hochschule mehrer Millionen Euro aus den Gebühren gebunkert hatte.
Der REFA-Verband gilt als Deutschlands älteste und bedeutendste Organisation für Arbeitsgestaltung, Betriebsorganisation und Unternehmungsentwicklung sowie betriebliche Weiterbildung. Der besagte Professor war Mitglied im Vorstand der REFA, bis der Verband im November 2006 die Zusammenarbeit mit ihm aufkündigte. Dennoch habe der Dozent weiterhin Logos, Gütesiegel und Briefpapier des Verbandes verwendet.
"Jetzt haben wir erfahren, dass er mit gefälschten Zertifikaten weiterarbeitete, obwohl er dazu längst nicht mehr autorisiert war", sagt Norbert P. Außer ihm scheinen hunderte Studenten der Hochschule Niederrhein betroffen zu sein. Einer Kommilitonin, die sich bei einem großen deutschen Konzern bewarb, wurde von der Personalchefin gesagt, ihr REFA-Zertifikat sei gefälscht. "So kam die Sache ins Rollen", meint Norbert P.
"Der Kollege hat offenbar besondere Honorare für seine Leistungen erhoben und diese als private Einnahmen verbucht", sagt der Pressesprecher der Hochschule, Rudolf Haupt. "Das ist ein Skandal!" Und der Dekan des Fachbereichs Wirtschaftsingenieurwesen und Gesundheitswesen, Professor Dr. Karsten Toemmler-Stolze, fordert die vorbehaltlose Aufklärung des Vorgangs. Er geht davon aus, dass sich der Professor zwischen 60 000 und 70 000 pro Jahr in die Taschen steckte. Und das wohl schon seit zehn oder sogar mehr Jahren.
Die geprellten Studenten haben mit Unterstützung des Allgemeinen Studierendenausschusses die renommierte Rechtsanwaltskanzlei Salow und Möllmann in Münster beauftragt, die Sache zu verfolgen. "Denn das riecht gewaltig nach Betrug und Fälschung", sagt Norbert P. In der Hochschule hat das Rektorat eine Untersuchung angeordnet. "Offenbar scheut man die juristische Auseinandersetzung und hat Angst um die Reputation der Hochschule", sagt Karsten Toemmler-Stolze. Der Dekan habe den Rektor Hermann Ostendorf schon vor zwei Jahren auf die dubiosen Machenschaften des Professors hingewiesen.
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