Mönchengladbach: Betrüger bekam Hafturlaub für Prozess
VON INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 12.12.2009Mönchengladbach (RPO). Um mindestens 130 000 Euro soll ein Angeklagter vor der Zweiten Strafkammer im Jahre 2004 zahlreiche Firmen sowohl in Grevenbroich als auch bundesweit geschädigt haben. Davon geht die Staatsanwaltschaft aus. Im Prozess wirft sie dem 51-Jährigen in zahlreichen Fällen bandenmäßigen Betrug vor. Wegen ähnlicher Straftaten ist der Mann bereits im Juli 2006 vom Landgericht Wuppertal zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Für seinen Auftritt vor dem Mönchengladbacher Landgericht bekam der Angeklagte Hafturlaub.
Im aktuellen Mönchengladbacher Verfahren wurde schnell klar, dass der Mann die Betrügereien mit Komplizen begangen hat und dass es immer die gleiche Masche ist, nach der die Bande sich bereicherte. Zwei der Mittäter sind bereits verurteilt. Ein dritter Komplize war mit einem Freispruch davon gekommen. Als Zeugen zogen sich die ehemaligen Mittäter im jetzigen Prozess entweder auf ein Aussageverweigerungrecht zurück oder sagten nur zurückhaltend aus. Der Angeklagte verhält sich im Gerichtssaal ähnlich und schweigt.
Eine unbekannt gebliebene Frau soll seinerzeit mit einem gefälschten belgischen Ausweis die Gesellschaftsanteile einer Autohandelsfirma mit Sitz in Grevenbroich für einen Euro erworben haben. Die GmbH war im Mönchengladbacher Handelsregister eingetragen. Die Anklage geht davon aus, dass der 51-Jährige von Anfang an plante, über diese Firma Kaufverträge abschließen zu lassen. Die gekauften Waren sollten nicht bezahlt werden.
Bestellte Reifen für 25 993 Euro
Bestellt wurden völlig unterschiedliche Waren, vom Computer, Kaffeeautomaten bis zum italienischen Schaumwein oder Pkw-Reifen. In einem Fall bestellte man 520 Autoreifen zum Preis von 25 993 Euro. Laut Anklage wartete die Lieferfirma vergeblich auf die Bezahlung. Offenbar ließen sich die ergaunerten Waren problemlos weiter verkaufen. Ein weiteres Ermittlungsergebnis lässt erkennen, dass die Warenbesteller auch teure Leasingverträge abschlossen. So betrug der Kaufpreis für ein geleastes Fahrzeug 36 636 Euro. Monatlich sollte eine Leasingrate von 680 Euro gezahlt werden. Die Täter erfüllten weder die Verpflichtungen des Leasingvertrages, noch gaben sie das Auto zurück. Das Fahrzeug wurde später in der Ukraine aufgefunden. Alle Kaufverträge wurden unter falschen Namen abgeschlossen. Dabei blieb der Angeklagte offenbar meistens im Hintergrund. Die Mittäter hatten ihn allerdings bereits im früheren Verfahren als "Planer" der Betrügereien bezeichnet. Der Prozess wird fortgesetzt.
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