Mönchengladbach: Betrug am Geldautomaten
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 30.07.2009Mönchengladbach (RPO). Die Fälschung ist so perfekt, dass selbst Bank-Mitarbeiter sie oft nicht erkennen. Über Sensoren unter einer manipulierten Tastatur für Geldautomaten spähen Betrüger Geheimnummern aus. Tipps zum Schutz gibt es kaum.
Die Masche ist neu und absolut raffiniert. Mit modernster Fräs- und Lasertechnik bauen Betrüger Tastaturen von Geldautomaten nach, um an PIN-Nummern heranzukommen und später fremde Konten abzuräumen. Die Geheimnummern werden dabei nicht über versteckte Kameras aufgezeichnet, sondern über Sensoren unter den Zahlenknöpfen erfasst und dann gespeichert. Über ein unscheinbares Vorsatzgerät am Kartenschlitz werden die restlichen Daten der EC-Karte ausgespäht. Und schon haben die Täter alles, um im Ausland Geld vom fremden Konto abzuheben.
"Das ist High-Tech"
In Mönchengladbach wurde am Samstag eine dieser perfekten Fälschungen entdeckt: die Tastenplatte aus dünnem, gebürstetem Edelstahl, unter den Zahlenbuttons ultraflache Senoren, die Informationen zu einem Speicherbaustein weiterleiten. Der manipulierte Karteneinzugsschlitz ist mit Lesekopf, Datenschnittstelle, Akku und Speichereinheit ausgestattet. "Das ist alles High-Tech", sagt Polizeisprecher Peter Spiertz. Und Kriminalhauptkommissar Bernhard Hohns fügt an: "Mit diesem neuen System lassen sich die Daten zehnmal besser auslesen als mit versteckter Kamera."
Ausgespäht
Skimming (abschöpfen) heißt die Betrugsmethode am Geldautomaten, bei der Daten ausgespäht werden
47 Skimmings-Fälle gab es allein in diesem Jahr in Krefeld
54 waren es in Düsseldorf
3 Fälle wurden in Mönchengladbach, Niederkrüchten und Viersen entdeckt
In Mönchengladbach ist der Fall diesmal noch einmal gut ausgegangen. Hier wurde die Manipulation entdeckt, bevor die Täter die Daten auslesen konnten. Ein glücklicher Zufall. Denn selbst Bankangestellte hätten oft Schwierigkeiten, die gefälschte Tastatur als solche zu erkennen, sagt Hohns. Im Gegensatz zur alten Betrugsmasche gibt es gegen die neue kaum Tipps zum Schutz. "Mit der Hand die PIN-Eingabe zu verdecken, hilft in diesem Fall nicht", sagt der Kriminalhauptkommissar. Auch der Rat der Polizei, zum Türöffnen eine andere Karte zu benutzen als am Geldautomaten selbst, schützt nur vor der alten Betrugsmasche und nicht vor der neuen.
"Bei der alten Methode zum Ausspähen von PIN-Nummern mussten die Aufsätze relativ schnell wieder ausgewechselt werden, weil die Akkus für die versteckten Kameras nicht lange halten", weiß Bernhard Hohns. Deshalb geschahen die Manipulationen häufig außerhalb der Öffnungszeiten. "Jetzt besteht die Gefahr, dass die Aufsätze wochenlang nicht auffallen", sagt der Kriminalhauptkommissar. Der Rat, nach Möglichkeit während der Schalterstunden Geld zu ziehen, zieht hier also auch nicht. Einziger Tipp: Nur an bekannten Automaten Geld ziehen und genau hinsehen. Ein Kunde hatte genau das getan und Klebstoffreste entdeckt.
Viele Banken versuchen sich zu schützen, in dem sie ihre Automaten mit einer so genannten "Anti-Skimming"-Technik ausstatten. Das hat zum Beispiel die Stadtsparkassen bei ihren 64 Automaten getan. Dieses Verfahren bewirkt bei bestimmten Manipulationsversuchen ein automatisches Abschalten der Geldautomaten. Doch bei dem Einfallsreichtum der Betrüger sind sich Experten sicher, dass auch solche Schutzvorrichtungen schon bald ausgetrickst werden.
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