Mönchengladbach: Betrugsfalle für Trauernde
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 21.07.2009Mönchengladbach (RPO). Mit einer neuen Masche versuchen Betrüger, bei Angehörigen von Verstorbenen Geld zu kassieren. Sie verlangen Gebühren für einen Eintrag in einen Bundessterbeanzeiger. Doch den gibt es gar nicht.
Nur wenige Tage nach dem Tod ihres Mannes fand Anita Gräber* (*Name geändert) in ihrer Post einen Brief aus Berlin. Mit dem Verweis auf eine neue EU-Richtlinie wurde die 69-Jährige in dem Schreiben aufgefordert, 63,12 Euro für einen einmaligen Eintrag ins Bundessteberegister zu bezahlen. Dies sei notwendig, und die Gebühr werde sofort fällig.
Anita Gräber zahlte nicht. Ein Glück. Denn das Bundessterberegister gibt es gar nicht. Das Schreiben ist eine besonders üble Masche von Betrügern, die bei Trauernden abkassieren wollen.
Bundesweit seien solche Briefe verschickt worden, weiß Doris Overlack-Kosel, Mitglied im Verein Verwitwet.de und Rechtsanwältin. Sie rät allen Adressaten, sofort Anzeige zu erstatten. Denn hier handele es sich um einen äußerst perfiden Trick. Erstens stehen Trauernde oftmals unter Schock, und zweitens "sieht das Schreiben aus wie ein amtlicher Gebührenbescheid.
Gleicher Trick
Gleiche Masche Auch in Bayern tauchten Briefe auf, in denen Trauernden angekündigt wurde, ihr Angehöriger werde im Bundesanzeiger für Bestattungen aufgeführt. Verlangt wurden 198 Euro. Zwei Täter? Die Briefe, die am Niederrhein auftauchten, sind mit Gerd Mülich unterzeichnet, die in Bayern mit Dirk Kramer.
Es gibt darin eine Rechtsmittelbelehrung, und eine Kostenstelle wird erwähnt", sagt Doris Overlack-Kosel. "Hier wird eine Zahlungsverpflichtung vorgetäuscht, die gar nicht besteht. Das fällt nicht nur in den Bereich der Urkundenfälschung, sondern ist auch Betrug."
Dennoch hätten wahrscheinlich schon etliche Hinterbliebene das Geld gezahlt. Der Betrag sei nicht so groß, und in der Trauerphase gebe es so viel zu regeln, dass sich manche damit womöglich gar nicht groß auseinandersetzen wollten. Die Adressen ihrer potenziellen Opfer finden die Täter über Todesanzeigen in Zeitung und Internet. Doris Overlack-Kosel will alle Hinterbliebenen vor dieser neuen Masche, die auch bei der Polizei bekannt ist, warnen und plant entsprechende Hinweise auf der Internetseite ihres Verein www.verwitwet.de.
Der ominöse Eintrag in ein Register ist nicht der erste Versuch, ganz gezielt Trauernde abzuziehen. Im vergangenen Jahr hatten dreiste Kriminelle Hinterbliebenen Rechnungen für einen Gen-Test geschickt, den die Verstorbenen angeblich kurz vor ihrem Tod machen ließen. Auch in diesem Fall hatten sich viele von dem offiziell aussehenden Schreiben einschüchtern lassen und den Betrag (rund 300 Euro) gezahlt.
Bis Oktober waren bundesweit mehr als 900 Anzeigen eingegangen. Und dann gab es noch den verwerflichen Trick mit dem Abstammungsnachweis, der angeblich erforderlich ist, wenn ein Erbe angetreten werden soll. Auch hier wurde Geld verlangt für etwas, was gar nicht notwendig ist.
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