Mönchengladbach: Betrugsprozess: "Auf einmal war das Sofa da"
VON INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 27.07.2012Mönchengladbach (RP). Wegen Bestell-Betruges im Interne stehen jetzt eine Mutter von drei Kindern (36) und ein 32-Jähriger vor dem Schöffengericht. In 33 Fällen sollen die beiden Mönchengladbacher 2011 im Internet Waren im Wert von 5506 Euro bestellt und nicht bezahlt haben.Die Ware landete, so die Anklage, an der Adresse der 36-Jährigen, obwohl Liefer- und Rechnungsadressen oft nicht übereinstimmten.
Kontoverbindungen existierten nicht. Offenbar wurden falsche Adressen angegeben. Selbst von verstorbenen Personen sollen Adressen genannt worden sein. Dreißigmal misslang die Masche. In diesen Fällen wurden die bestellten Sachen nicht ausgeliefert. Die beiden Mönchengladbacher reagierten gelassen auf die Anklageschrift.
Die Frau bestritt die Vorwürfe: "Ich habe nie etwas bestellt". Sie besitze zwar einen PC. Aber auch der Mitangeklagte habe ihren PC nutzen können. Dem 32-Jährigen, der ihren Ehemann offenbar aus dem Gefängnis kannte, habe sie wochenlang Unterschlupf gewährt. Auch die weiteren Vorwürfe der Staatsanwältin, verbotenen Besitz von Amphetamin und Gebrauch einer unechten Urkunde, bestritt die dreifache Mutter. Er habe sich eine Zeit lang in der Wohnung der Angeklagten aufgehalten, als deren Ehemann noch im Gefängnis saß, gab der Mitangeklagte ohne weiteres zu. Außerdem gestand er auch ein, zwei- oder dreimal auf dem PC der Mitbewohnerin Lebensmittel und Körperpflegemittel bestellt zu haben.
Acht bis zehn Mal habe er bestellte Ware, die für die 36-Jährige ankam, aus dem Hausflur geholt und nach oben gebracht. Vor allem am Transport eines Sofas und eines Fernsehgerätes habe er sich beteiligt. "Das Sofa war auf einmal da", erklärte plötzlich die Angeklagte. Tatsächlich habe der Mitangeklagte das Sofa bestellt, was der empört bestritt. Er sei das nicht gewesen. Das Sofa sei schließlich im Wohnzimmer der Frau gelandet. Immer wieder seien Pakete im Haus angekommen, auch mit Fleisch und Süßigkeiten. Man habe gemeinsam davon konsumiert. Einige Pakete seien auch abgeholt worden.
Dabei verdächtigte die Angeklagte einen weiteren Bekannten. Die 36-Jährige sei oft in der Stadt im Internet-Café gewesen und habe ihm erzählt, wie sie das mit den Bestellungen gemacht habe. Es sei ganz einfach, erinnerte sich dann der 32-Jährige. Der Prozess wird fortgesetzt.
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