Mönchengladbach: Bevorzugte Opfer: Senioren
VON STEFANIE SANDMEIER UND GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 04.12.2007Mönchengladbach (RPO). Landesweit sind immer mehr Senioren Opfer von Gewalttaten. Die Täter nutzen die schwache Konstitution und Gutgläubigkeit alter Menschen, um sie zu bestehlen. Dabei scheuen sie auch vor Gewalt nicht zurück.
Alle Gegenwehr half nicht. Die Täter, die am 6. Oktober die 89-jährige Frau in ihrem Haus an der Oststraße töteten, waren gnadenlos. Mit einem Würgeseil drosselten sie die am Boden liegende Seniorin. Die Todesursache, so Friedhelm Schulz, Leiter der Mordkommission, war Gewalteinwirkung. Die Täter hatten die Arglosigkeit der Frau genutzt, um sie zu überwältigen.
Eine Seniorin war es auch, die der Kinderbande von Speick zum Opfer fiel. Zuerst hatten die Kinder und Jugendlichen im Alter von fünf bis 16 Jahren die 80-Jährige an der Bahnstraße besucht, weil sie bei ihr rauchen durften. Doch dann begannen die Quälereien, schließlich, Ende Juli, zerstörte die Bande die komplette Wohnung. Erst am vergangenen Mittwoch überfielen zwei Kinder eine Seniorin im Beller Park.
Statistik
2005 wurden 69 Senioren in Mönchengladbach Opfer von Gewalttaten.
2006 wurden der Polizei 59Opfer gemeldet. 2007 Bis September dieses Jahres waren es bereits 56.
Opfer vereinsamen oft
Die Studie „Senioren und Kriminalität“ des Landeskriminalamtes (LKA) zeigt, dass dies keine Einzelfälle sind. Immer häufiger sind ältere Menschen Opfer von Gewalttaten – in den meisten Fällen nach Raubdelikten. Landesweit wurden im vergangenen Jahr 9428 Senioren ab 60 Jahre gemeldet, das sind 134 mehr als noch 2005. Vornehmlich gingen den Gewalttaten Handtaschenraube oder Raube in Wohnungen – sei es durch Einbruch oder in seltenen Fällen auch nach Trickbetrügerei – voraus.
In Gladbach stagnieren die Zahlen. „Die Täter nutzen die schwächere Konstitution und die Gutgläubigkeit der älteren Menschen aus“, sagt Polizeisprecher Jürgen Lützen. Beispiel Trickbetrug: Mit dem so genannten „Enkeltrick“ oder der Behauptung, Wasserinstallateur zu sein, ist es für viele Täter oft ein Leichtes, in die Wohnung ihrer Opfer zu gelangen. Anders als bei Raubüberfällen auf der Straße gehen Trickbetrügereien aber oft ohne körperliche Gewalt vonstatten. Wenn doch, spricht die Polizei auch hier von Raub. Die Betrüger beobachten Senioren beim Einkauf, suchen im Telefonbuch nach alten Vornamen oder greifen auf Adressangaben zum Lebensalter zurück.
Beim Handtaschenraub kommt es hingegen häufiger zu Verletzungen. „Wenn möglich, versuchen sich die älteren Damen zu wehren“, so Lützen. „Dabei kann es zu Verletzungen nach Stürzen kommen.“
So passiert im Juni/Juli, als eine Serie von Raubüberfällen auf Friedhöfen die Polizei in Atem hielt. Die Opfer: ausschließlich ältere Frauen. Allen wurden die Handtaschen entrissen, alle erlitten einen tiefen Schrecken, einige wurden sogar verletzt. Diese traurige Erfahrung müssen Senioren immer häufiger machen.
„Aufklärung und Prävention müssen den Bedürfnissen älterer Menschen angepasst werden“, sagt der Opferschutz-Beauftragte der Polizei, Reiner Fiege. Dazu gehören unter anderem Besuche, Gespräche und gegebenenfalls die Vermittlung an Psychologen oder Psychotherapeuten. Denn oft leiden diese Menschen besonders unter dem Geschehenen. Aus Angst vor weiteren Taten kapseln sie sich ab, meiden soziale Kontakte und vereinsamen.
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