Mönchengladbach: Biogas: Ganz Wanlo blickt auf heutigen Ausschuss
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 22.06.2010Mönchengladbach (RPO). Alfred Brücher verfolgt die heutige Sitzung des Bau- und Planungsausschusses mit besonderem Augenmerk. Er ist Sprecher einer Bürgerinitiative, die eine Biogasanlage in Wanlo verhindern will.
Heute steht das von der NVV geplante und von vielen Bürgern teilweise heftig kritisierte Projekt auf der Tagesordnung der Gladbacher Planungspolitiker. Allerdings mit keinen Auswirkungen, die sofort Beschlusskraft haben. Der Ausschuss, er tagt ab 17 Uhr im Rathaus Rheydt, behandelt zwei Anträge, die den Bau des Biogas-Werks vorbereiten – die Änderung des Flächennutzungsplans und den sogenannten Aufstellungsbeschluss.
Damit wird der Bebauungsplan auf den Weg gebracht: Bürger, aber auch Institutionen können in Kürze Einwände geltend machen. Im Herbst fällt dann die endgültige Entscheidung, ob die NVV bauen darf.
Landwirte wollen sie
Fast zehn Millionen Euro hat sie für dieses Projekt veranschlagt. Herbst 2011 soll die Anlage fertig sein und dann 3,1 Millionen Kubikmeter Biomethan aus Mais und Rindergülle produzieren. Noch vor Ort wird das Biogas in Erdgas umgewandelt. Mit der erzeugten Energie könnten rund 1500 Durchschnittshaushalte versorgt werden. Die NVV sichert zu, alle Grenzwerte einzuhalten und will die Geruchsbelästigung gering halten.
Landwirte hoffen auf eine zusätzliche Einnahmequelle. Denn es werden 30 000 Tonnen Mais jährlich benötigt. Und sie können die Rückstände nutzen, weil sie ein hochwertiger Dünger sind. "Wenn die NVV die Anlage nicht baut, dann machen es andere. Das wollen wir nicht unbedingt", sagt Ausschuss-Vorsitzender Horst-Peter Vennen (SPD).
Viele Wanloer reagieren äußerst sensibel, wenn sie diese Argumente hören. Wie Vennen bei einem Ortstermin feststellte, "sind die Kritiker nicht unbedingt gegen eine Biogasanlage". Aber: "Sie ärgern sich sehr darüber, dass sie alles schlucken müssen", sagt Vennen. Alles – das bedeutet: Die Wanloer leiden unter dem Braunkohle-Tagebau Garzweiler II unmittelbar vor ihrer Haustür.
Sie sind wenig begeistert über den Segelflugplatz, der viel Verkehr in den Ort holt. Sie schimpfen über die Kompostierungsanlage und deren Gestank. Außerdem klagen sie über einen Windpark am Ortsrand mit zehn mehr als 100 Meter hohen Rädern: Die Rotoren erzeugen viel Lärm. Und wenn Lkw die Autobahn 61 verlassen, kurven sie oft durch das Ortszentrum.
Auch SPD-Politiker Horst-Peter Vennen erkennt diese Belastungen an: "Manche Entscheidungen in der Vergangenheit sind für Wanlo nicht gerade glücklich gewesen." Doch ob dies jetzt dazu führt, dass der Ausschuss und der Rat auf das Projekt im Mönchengladbacher Süden verzichtet? Dies ist äußerst fraglich. Breite Kreise der Ampel aus SPD, FDP und den Grünen haben sich bereits für die Biogasanlage ausgesprochen. "Im Herbst", sagt Vennen, "muss jeder Politiker Farbe bekennen und sagen, was wer will."
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