Mönchengladbach: Bischof ordnet Fusionen an
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 06.11.2008Mönchengladbach (RPO). Heinrich Mussinghoff greift durch. Am Samstag werden die Gladbacher Gemeinden vom Bischof erfahren, mit wem sie fusionieren müssen. Obwohl sie offiziell noch gar nichts wissen dürfen, rebellieren Pfarrer und Referenten.
Am Samstag erhalten die katholischen Gemeinden in Gladbach Post aus Aachen. Das Bistum wird schriftlich mitteilen, welche Pfarren ab dem 1. Januar 2010 den weiteren Weg gemeinsam gehen werden. Hört sich zunächst unspektakulär an, ist aber äußerst brisant. Denn damit einher gehen Personal- und Strukturentscheidungen. Und die sind im Vorfeld schon umstritten. Michael will auf keinen Fall mit Laurentius, Heilig Geist liebäugelt mit Josef, aber nicht mit Franziskus und Marien, und Heilig Kreuz und Hermann-Josef haben sich schon mit Michael bekannt gemacht. Was aus Albertus, Mariä Himmelfahrt, Barbara und Mariä Rosenkranz wird, ist ungewiss, Elisabeth hat sich für den Alleingang entschieden und ihre Zukunft gesichert. Als Grabeskirche.
„Wir können uns nicht wehren“
„Ich weiß genau, dass der Bischof die Fusion durchziehen wird“, sagt Pfarrer Johannes van der Vorst. „Dagegen können wir uns gar nicht wehren.“ Dennoch hat der Kirchenvorstand von Heilig Geist in Geistenbeck eine deutliche Stellungnahme nach Aachen geschickt: Eine Zusammenarbeit mit der „Juppekerk“ in Rheydt sei durchaus vorstellbar, mit St. Marien und St. Franziskus wollen die Geistenbecker lieber nicht fusioniert werden.
Auch in Odenkirchen regte sich schon im Vorfeld heftiger Protest. In einer Gemeindeversammlung hatte der Gemeinderats-Vorsitzender von St. Michael, Bernd Donth, keinen Zweifel gelassen: „Wir beabsichtigen, der Fusion mit St. Laurentius mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten.“ Die Rebellion scheint inzwischen im Keim erstickt zu sein. Insider gehen davon aus, dass die Ehrenamtler, die im so genannten Moderatorenmodell die Geschicke der Gemeinde leiten, aus der Verantwortung genommen werden. Pfarrer Jan Nienkerke von St. Laurentius wird dann die Führung beider Pfarren übernehmen.
Der Ton ist schärfer geworden. Früher sprach das Bistum von freiwilligen Zusammenlegungen, über die die Gemeinden selbst zu entscheiden hätten. Seit März ist das anders. Da veröffentlichte das Bistum die „Fusionsliste“, und erstmals übernahm Bischof Mussinghoff selbst die Rolle des Entscheidungsträgers. Und am Samstag werden die betroffenen Gemeinden schwarz auf weiß lesen, in welcher Weise er verfügen wird.
Damoklesschwert über Innenstadt
Ein Damoklesschwert schwebt über den Gladbacher Innenstadt- Gemeinden. Einzig die Elisabeth-Kirche an der Hohenzollernstraße bleibt als Grabeskirche autark. Im Gladbacher Südwesten haben die Gemeinden St. Michael Holt, Hermann Josef Speick und Heilig Kreuz Westend schon Kontakt aufgenommen. „Wir sehen eine gemeinsame Zukunft“, sagt Gemeindereferent Christof Habrich. Er ist der hauptamtliche Leiter des Moderatorenteams in St. Michael Holt. „Anfangs konten sich die Speicker und die Westender keine Gemeinde ohne einen Pfarrer vorstellen“, sagt er. Inzwischen läuft es wohl darauf hinaus, dass das Holter Moderatorenmodell für alle drei Pfarrern gemeinsam denkbar ist. Habrich: „Auch bei uns gibt es Haken und Ösen, aber unsere Fusion wird wohl die unkomplizierteste in ganz Gladbach werden.“ KOMMENTAR
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