Mönchengladbach: Bordell-Brand: Mordversuch?
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 15.01.2009Mönchengladbach (RPO). Das Feuer in der Bar an der Rheydter Straße soll der Club-Betreiber gelegt haben. Wegen versuchten Mordes schickte der Richter den Mann in Untersuchungshaft. Bei dem Brand war eine Familie schwer verletzt worden.
Den Feuerwehrleuten, die am 24. September als Erste an der Rheydter Straße eintrafen, bot sich ein tragisches Bild. Um 4 Uhr morgens standen ein Mann und seine sechsjährige Tochter mit schwersten Brandverletzungen vor einem brennenden Haus. Die Haut an Gesichtern und Armen war stark gerötet und übersät von Blasen. Bis heute müssen Vater und Kind medizinisch versorgt werden. "Die Narben werden wohl für immer bleiben", sagte Polizeisprecher Jürgen Lützen gestern.
Schwere Brandstiftung
Für die Polizei ist mittlerweile klar: Ein 26-jähriger Mann aus Rheydt, der das Bordell im Erdgeschoss und in Teilen der oberen Etage betrieb, hat den Brand gelegt. Er war der Einzige, der Schlüssel zu den Club-Räumen besaß, wo das Feuer ausgebrochen war. Einbruchsspuren hatten die Ermittler nicht gefunden. Dazu kam die Aussage des schwer verletzten Vaters, der erst im Dezember, also drei Monate nach dem Brand, aus dem künstlichen Koma geweckt werden konnte. Der 42-jährige Schwiegersohn des Hausbesitzers, der mit seiner Ehefrau und seinen beiden Kindern im Dachgeschoss über dem Bordell mit Table-Dance-Bar und Stundenzimmern lebte, hatte den Club-Betreiber in der Brandnacht aus dem Haus laufen sehen. Am Tatort von den Ermittlern aufgefundene DNA belastete den 26-Jährigen zusätzlich. In seiner Vernehmung stritt der 26-Jährige die Tat ab, verwickelte sich aber laut Polizeisprecher Lützen in Widersprüche. Wegen des Verdachts auf versuchten Mordes, besonders schwerer Brandstiftung und schwerer Körperverletzung sitzt der Mann nun in Untersuchungshaft.
Der Brand
Das Feuer brach am 24. September vor 4 Uhr aus. Als die Einsatzkräfte eintrafen, schlugen bereits die Flammen aus dem Haus.
Brandstiftung Wenige Tage später fanden LKA und Kripo heraus, dass das Feuer gelegt wurde.
Insgesamt sechs Menschen waren bei dem Feuer an der Rheydter Straße verletzt worden. Neben der vierköpfigen Familie, eine weitere 35-jährige Hausbewohnerin und ein Passant, der zur Hilfe geeilt war. Mitten in der Nacht hatte der Familienvater das Feuer bemerkt. Er versuchte zunächst mit Frau und Kindern über das Treppenhaus zur Haustür zu kommen. Doch während des Fluchtversuchs kam es zu einer Verpuffung im Erdgeschoss. Vater und Tochter rannten weiter nach unten durch das brennend heiße Treppenhaus. Mutter, Sohn sowie die weitere Hausbewohnerin liefen zurück und retteten sich auf ein Flachdach, von wo aus sie später von der Feuerwehr gerettet wurden. Auch sie hatten Verletzungen, darunter auch Schnittwunden, erlitten. Der Passant, der den Brand entdeckt hatte und die Hausbewohner wecken wollte, befand sich unglücklicherweise genau zum Zeitpunkt der Verpuffung vor der Haustür. Auch er musste ärztlich behandelt werden.
Zum Motiv des Club-Betreibers wollte die Polizei gestern noch nicht viel sagen. Offensichtlich liefen der Table-Dance-Club und das Bordell aber nicht besonders gut, so dass der 26-Jährige in Finanznöten steckte.
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