Mönchengladbach: Borussen von ihrer besten Seite
VON SEBASTIAN DALKOWSKI - zuletzt aktualisiert: 15.07.2010Mönchengladbach (RPO). Gestern Mittag stellten sich Spieler, Trainer und Betreuer der Borussia für das offizielle Mannschaftsfoto zusammen. Über 30 Fotografen drückten im Stadion auf den Auslöser für das perfekte Bild. Nur ein nicht richtig hochgeklappter Plastikstuhl störte die Harmonie.
Es müsste einfach mal ein Fotograf auf die Idee kommen, das Mannschaftsfoto der Borussia von hinten zu knipsen. Es wäre ein Bild aus einer anderen Welt. Keine Gesichter, die versuchen zu lachen oder ernst zu gucken. Kein Sponsorengelb, an das sich das Auge noch immer nicht gewöhnt hat. Keine Hände, die sich die sitzenden Spieler auf die Knie gelegt haben. Bloß die Rückseiten der Spieler aus der letzten Reihe mit den Namenszügen auf den Trikots und den Sportlerbeinen. Fußballer auf das Wesentliche reduziert. Und Dante, der sich als einziger die weißen Stutzen nicht hochgezogen hat, das aber zwischendurch nachholt. Aber natürlich fotografiert an diesem Mittwochmittag im Stadion der Borussia fast niemand von hinten. Wie sähe denn das aus in den Sonderheften und auf den Postern? Ohne Gesichter, die versuchen, zu lachen oder ernst zu gucken. Ohne Sponsorengelb. Ohne Hände auf Knien. Vorne spielt die Musik.
Es ist halb zwölf, als Borussias Pressesprecher Markus Aretz vor die Fotografen von Kicker bis DFL tritt, die sich am Spielfeldrand versammelt haben. Die Kameras liegen nebeneinander auf dem Boden und sind von einer Größe, die vermuten lassen, dass die Besitzer gleich mit ihnen in den Krieg ziehen. Aretz erklärt den Fotografen den Ablauf und bittet sie, so wenig wie möglich den Rasen zu betreten. "Es gibt Probleme mit Pilzbefall."
Dann traben die Spieler bis zur hinteren Hälfte des Platzes, wo eine kleine Bühne aufgebaut ist. Auf der stehen zwei Bankreihen, wie man sie aus dem Bierzelt kennt. Namenszettel markieren, welcher Borusse wo hin soll. Die erste Reihe sitzt auf der ersten Bank, die zweite steht dahinter, die dritte steht auf der hinteren Bank. Die Anordnung ist eine Mischung aus Zufall, der Überzeugung, dass kleine und große Spieler nicht nebeneinander stehen sollen und dem Einfall, dass der verletzte Camargo, der auf Krücken kommt, nicht stehen soll. Nur die WM-Teilnehmer Karim Matmour und Michael Bradley fehlen, weil sie noch im Urlaub sind. Die Spieler albern herum, als machten sie gerade das Foto fürs Jahrbuch der Schule. Frank Pfennig, der Fotograf, der das Mannschaftsfoto für Borussia macht, gibt Anweisungen: Mehr nach rechts, mehr nach links, nach vorne schauen. Was er nicht sieht und auch sonst niemand, ist, dass ein einziger Plastiksitz auf der Gegentribüne, vor der die Bühne steht, nicht richtig hochgeklappt ist. Die Aufnahmen werden das später zeigen.
Zuerst macht Pfennig das offizielle Mannschaftsfoto. Im Anschluss sollen einige Spieler für eine Aktion gegen Rassismus eine rote Karte in die Höhe halten. "Hört auf mit dem Blödsinn", ruft er. Und dann sind endlich die anderen Fotografen an der Reihe. Ein Blitzlichtgewitter zieht durchs Stadion, nach wenigen Sekunden ist bereits alles vorbei. Nun werden die Sponsoren bedient. Bevor die Spieler gelbe Bälle in die Luft werfen, prosten sie sich mit der berühmten braunen Brause zu. Tobias Levels hat Probleme mit dem Verschluss und schleudert die geschlossene Flasche auf den Boden, als Pfennig fertig ist.
Doch genug haben die Fotografen noch nicht. Für die Einzelaufnahmen stellen sich die Spieler, Trainer und Betreuer an der Seitenlinie vor der Gegentribüne auf. Die Fotografen bilden eine Schlange und gehen die Spieler ab. Kurzes Hallo, bitte recht freundlich, knips, auf Wiedersehen. Camargo entscheidet sich für ein strahlendes Lachen, Dante für ein weises Lächeln, Levels für die Abwesenheit eines Gesichtsausdrucks. Am Ende verlangt Pfennig noch mal Aufmerksamkeit. Die Fotos für die Autogrammkarten werden gemacht. Auf die Markierung stellen, Arme locker hängen lassen, knips. Fabian Bäcker gehört zu denen, die ihr Foto im Display sehen wollen. Ganz so, als seien sie nicht im Stadion, sondern in einer Disko. Die Menge der gemachten Fotos dürfte an beiden Orten ähnlich unzählbar groß sein.
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