Mönchengladbach: Borussia atmet durch
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 25.05.2009Mönchengladbach (RPO). Glücklich, aber nicht euphorisch: Borussias Fans feierten den Klassenverbleib am Wochenende mit dem Gefühl, gerade noch einmal davongekommen zu sein. Und mit der Hoffnung, dass sich diese Saison nicht wiederholt.
Logan Bailly war der Held des Tages. Nicht nur, weil er mit starken Paraden Borussias Unentschieden gegen Dortmund und damit den Klassenverbleib festhielt. Sondern auch, weil er als Vorturner bei den Feierlichkeiten voranging, während die Fans "Nie mehr zweite Liga" sangen. Bailly feierte den glücklichen Ausgang der Saison mit einem Doppelsalto vor der Nordkurve, während seine Kollegen ermattet auf dem Rasen saßen und auf die "Humba" warteten. "Die Freude war nicht überschäumend", sagte Stadionsprecher Torsten Knippertz, der das Mikrofon an Bailly weiterreichte. Darf man nach so einer Saison überhaupt ausgelassen feiern oder nicht?
Viele erschöpfte Fans
Aufstiege, Abstiege
Aufstieg 1965 aus der Regionalliga West.
Abstieg 1999 in die Zweite Bundesliga mit Trainer Rainer Bonhof.
Aufstieg 2001 mit Trainer Hans Meyer.
Abstieg 2007 mit Trainer Jupp Heynckes, später Jos Luhukay.
Aufstieg 2008 mit Trainer Jos Luhukay.
Klassenverbleib 2009 mit Trainer Hans Meyer.
Glücklich und erleichtert waren Borussias Fans nach dem Ende der Spielzeit. Aber nicht so euphorisch, wie nach dem Aufstieg vor zwölf Monaten. Im Fanhaus saßen weit nach Abpfiff unter den gut 500 Borussen viele erschöpfte Fans, manche blickten drein, als wäre Borussia abgestiegen. "Alle sind kaputt. Das muss man erst mal sacken lassen", sagte Borussias Fan-Beauftragter Thomas "Tower" Weinmann. "In der Rückrunde haben wir alles richtig gemacht. Auch Hans Meyer." Aus den Lautsprechern kam das Lied "Die Seele brennt"; eine melancholische Hymne über Freud und Leid mit Borussia. Es passte zu Situation: Viele Seelen waren am Samstag schlicht ausgebrannt.
In die Erleichterung, weiter erstklassig zu sein, mischte sich ein ungutes Gefühl über die abgelaufene Spielzeit. Die Einsicht, gerade noch einmal davon gekommen zu sein, verhinderte überschäumende Freude. Draußen im Biergarten des Fanhauses rafften sich Fans auf und tanzten auf den Tischen. Einige ließen sich anstecken von der Freude, andere genossen die weitere Erstliga-Zugehörigkeit eher im Stillen und spülten die Saison voller Tiefpunkte mit einem Bier runter. "Es scheint früh genug klar gewesen zu sein", sagte Carsten Petersen (39), der aus Hamburg gekommen war. "Jetzt erholen wir uns, und nachher in der Altstadt wird gefeiert."
Bis in die frühen Morgenstunden wurde in den Kneipen rund um den Alten Markt die Erstligazugehörigkeit eines Vereins, seiner Fans und einer Stadt gefeiert – ausgelassen, aber nicht wild. "Ich fühle mich nach 1998 zurückversetzt. Damals haben wir es auch knapp geschafft, sind im nächsten Jahr aber abgestiegen", sagt Borussen-Fan Norbert Welfens (42). "Was wir an diesem Wochenende feiern, ist der Normalzustand." Borussia soll keine Fahrstuhlmannschaft sein. Welfens hofft: "Es muss sich etwas ändern. Im sportlichen Bereich und im Präsidium."
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