Mönchengladbach: Borussia darf nicht absteigen
zuletzt aktualisiert: 12.05.2011Mönchengladbach (RPO). Ex-Nationalspielerin Steffi Jones spricht über die Entwicklung des Frauenfußballs, das Ausnahmetalent von Lira Bajramai und erklärt, warum Borussia nicht absteigen darf. Eine Frau an der Spitze des DFB hält sie für möglich. Sie selbst steht nicht zur Verfügung.
Wie viele der WM-Spiele werden Sie in Mönchengladbach sehen?
Jones Ich plane, an jedem Spielort mindestens ein Spiel zu sehen. Auch möchte ich jedes Team einmal gesehen haben. Die Viertelfinals und die Halbfinalpartien schaue ich mir komplett an. Heißt, in Mönchengladbach werde ich bei zwei von drei Spielen dabei sein. Insgesamt sind es rund 20.
Brauchen Sie für dieses Pensum auch einen Hubschrauber – wie Franz Beckenbauer im Jahr 2006?
Jones Den brauche ich ganz bestimmt. Anders ist das wohl nicht zu schaffen. Ich werde während der WM mit Auto, Bahn und Flugzeug unterwegs sein. Und auch drei- oder viermal in den Hubschrauber steigen. Franz Beckenbauer wird übrigens auch mal mitfliegen – das hat er mir versprochen.
Machen Sie die Fans mal neugierig: Was ist das Tolle an den Mannschaften, die in Mönchengladbach spielen werden?
Jones Mir kommt es in erster Linie darauf an, dass die Menschen sich freuen. Und wer sich nicht über eine Weltmeisterschaft im eigenen Land freut, dem kann ich nun wirklich nicht mehr helfen. Gerade in Mönchengladbach gibt es wirklich attraktive Spielpaarungen. Auch der Kartenvorverkauf ist hier sehr gut verlaufen, die Zahlen haben unsere Erwartungen übertroffen. Mönchengladbach liegt mit Sinsheim und Frankfurt ganz weit vorne.
Apropos Frankfurt und Gladbach: Am Samstag spielt ja nicht nur Borussia gegen den Abstieg, auch für Ihre Eintracht sieht es nicht gut aus. Wem drücken Sie die Daumen?
Jones In erster Linie natürlich meiner Eintracht. Schade finde ich allerdings, dass sie in den letzten Spielen einfach nicht überzeugen konnte, Minimalchancen wurden nicht genutzt. Ich habe den Eindruck, dass sich die Mannschaft aufgegeben hat. Aber im letzten Spiel werden die Frankfurter hoffentlich noch mal alles geben. Zu Borussia kann ich nur sagen, dass die es in jedem Fall verdient hat, in der Bundesliga zu bleiben. Die Mannschaft hat in den letzten Wochen alles gegeben, die wollen unbedingt die Klasse halten.
Nun hat man ja am Wochenende die Frankfurter Fans erlebt. Wo liegt der Unterschied zum Frauenfußball? Wie sieht da die Struktur aus?
Jones Die Atmosphäre ist eine andere. Es kommen mehr Familien zu den Spielen. Die schauen sich das dann an und klatschen mal bei einer guten Aktion. Bei einer WM ist das allerdings noch mal etwas anderes. Da treffen verschiedene Communities aufeinander. Neulich beim Testspiel der U20-Damen waren Fans aus Nigeria. Die haben so eine tolle Stimmung gemacht. Die Mütter hatten ihre Kinder auf dem Arm und haben getrommelt und Musik gemacht. Das war so schön.
Im deutschen Team gibt es ja auch eine geborene Gladbacherin: Lira Bajramai. Was ist sie für eine Spielerin? Warum ist sie so wichtig für das Team?
Jones Grundsätzlich spreche ich ja eher vom Team als Ganzes. Aber bei Lira ist das ein wenig anders. Sie ist ein gutes Beispiel für gelungene Integration und damit ein tolles Vorbild. Lira zeigt jungen Frauen, dass es möglich ist, in einem "Männersport" trotzdem attraktiv und feminin zu bleiben. Außerdem ist sie eine Ausnahmespielerin. Das macht sie sowohl auf als auch neben dem Platz so wichtig.
Sollte jeder traditionsreiche Fußball-Bundesligist der Herren auch eine starke Damenmannschaft haben?
Jones Wenn man rein professionell denkt, wäre das sinnvoll, weil die ganze Infrastruktur schon gegeben ist. Allerdings ergibt so etwas nur Sinn, wenn es ehrlich gemeint ist. Ich bin froh, dass viele Vereine eine Frauenmannschaft gegründet haben – so wie Borussia. Aber ich lege auch Wert darauf, dass die Frauen-Traditionsclubs erhalten bleiben. Es ist wichtig, dass sich der Frauenfußball, so wie er jetzt ist, weiterentwickelt und dass die Entwicklung stabil verläuft. Man kann die Situation im Frauen- und Männerfußball nicht miteinander vergleichen. Richtige Frauenprofis, die ausschließlich Fußball spielen, wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Aber es wäre schön, wenn Frauen nach ihrer aktiven Zeit auch noch Perspektiven im Fußball haben, zum Beispiel als Trainerin.
Sie haben vor kurzem die Lürriper Frauen trainiert. Wie sind die so drauf?
Jones Super. Das hat richtg Spaß gemacht. Die Mannschaft hat sich sehr viel Mühe gegeben. Mir tun heute noch die Knochen weh. Ich musste mich richtig ins Zeug legen, um die Zweikämpfe zu gewinnen. Was mir besonders gut gefallen hat, ist die Atmosphäre während des Trainings. Das hat mich an Früher erinnert. Eltern haben zugesehen, Kinder sind über den Rasen geflitzt und haben versucht, der Sprenkleranlage auszuweichen.
Für Sie persönlich wird sich nach der Frauen-WM auch etwas ändern. Sie werden Direktorin beim DFB....
Jones Die Frauen- und Mädchen- Abteilung wird bei uns nun eigenständig. Und ab 1. September darf ich dann dort die Chefin sein. Ich werde rund 25 Mitarbeiter in meiner Abteilung haben.
Können Sei sich vorstellen, dass der DFB bald eine Präsidentin an seiner Spitze hat? Vielleicht sogar eine Präsidentin Steffi Jones?
Jones Also, wie gesagt, ich bekommen ja bald eine neue Aufgabe. Und außerdem haben wir aktuell einen tollen Präsidenten, der sich auch sehr für den Frauenfußball einsetzt. Wenn die Zeit für einen Wechsel irgendwann gekommen ist, weiß ich nicht, was gegen ein Frau sprechen würde. Ich werde es aber eher nicht sein.
Sie werden sich gleich die Vorstellung der Augsburger Puppenkiste ansehen. Wie finden Sie die Puppe "Steffi"?
Jones Mit "Steffi" bin ich super zufrieden. Vor allem, weil sie so schön schlank ist. Es ist ein große Ehre, so eine Puppe zu bekommen. Ich habe die Augsburger Puppenkiste schon als Kind geliebt. Dort hat auch mein erster Weg in Augsburg hingeführt. Nach der Vorstellung habe ich gleich zehn verschiedene Puppen gekauft. Theo Zwanziger hat auch eine bekommen.
Das Gespräch führten Ralf Jüngermann, Karsten Kellermann, Laura Lotz, André Schahidi, Thomas Grulke, Anna-Sophie Sieben und Leo Preiß
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