Mönchengladbach: Borussias unbelehrbare Fans
VON CHRISTIAN SPOLDERS - zuletzt aktualisiert: 23.03.2009Mönchengladbach (RPO). Diskussionen, Einlasskontrollen, Stadionverbote: Der Fußball-Verein kann machen, was er will. Wenn die kriminelle Energie zu groß ist, sind selbst Borussia die Hände gebunden. Ein Selbstreinigungsprozess wie noch vor Jahren funktioniert nicht mehr. Was bleibt, ist die Hoffnung auf Einsicht.
Da waren sie wieder, die Unbelehrbaren. Als Christoph Dabrowski, Fußballspieler des VfL Bochum, zur Ecke vor der Nordkurve im Borussia-Park schritt und sich den Ball zurechlegte, regnete es von der Tribüne Gegenstände in seine Richtung. Ein Ordner war bemüht, einen leeren Bierbecher hinter die Bande zu werfen, Stadionsprecher Torsten Knippertz bat zweimal darum, das Werfen von Gegenständen zu unterlassen. Borussias Kapitän Filip Daems wurde vom Schiedsrichter gebeten, dem Trainer Bescheid zu geben, dass sich die Fans so nicht zu verhalten hätten.
Borussias Zuschauer sorgen in diesen Tagen dafür, dass der Verein, den sie unterstützen wollen, in einem schlechten Licht da steht. Thomas Jaspers weiß das. "Dass unser Block die Schweigeminute in Köln trotz Aufforderung gestört hat, war bundesweit ein Thema", sagt Borussias Fanbeauftragter. Er sucht ständig das Gespräch mit den Fans, um ihre Aussetzer bereits im Vorfeld zu verhindern. Doch er weiß auch, dass "einige sich um die Fanbetreuung nicht scheren und ihr eigenes Ding machen". So wie in Köln. Und so wie gegen Bochum.
Das Stadionverbot
Die Dauer Wer gegen die Hausordnung verstoßen hat, muss damit rechnen bis zu drei Jahre in kein Stadion mehr zu dürfen.
Das Gericht Fühlt der Täter sich unschuldig, muss der Richter den Fall verhandeln.
Die Zahl 2800 Menschen haben bundesweit Stadionverbot.
Der Großteil der Gladbacher Fanszene hat selbst ein Problem mit denen, die ständig Ärger machen. "Früher", sagt Brigitte Schröder, "konnte man sich die noch schnappen, am Kragen packen und sagen, dass sie aufhören sollen." Dieser Selbstreinigungsprozess in der Nordkurve funktioniert heute nicht mehr. "Denn es werden einfach immer mehr", sagt die 49-Jährige.
Und gegen die geht Borussia vor. 96 Stadionverbote hat der Sicherheitsbeauftragte Bernhard Nießen aktuell verhängt, davon 50 gegen Gladbach-Fans. Alle gelten bundesweit. Sollte einer dennoch ins Stadion kommen, hat er ein Problem. "Unsere drei szenekundigen Beamten kennen die Personen", sagt Nießen. Werden sie im Stadion erwischt, droht ihnen wegen Hausfriedensbruch eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. Und die Erfolgsquote Borussias ist gut. "95 Prozent derer, gegen die wir ermitteln, sind auch tatsächlich die Täter", sagt Nießen und lobt die Polizei. "Sie schafft es mit Hilfe von Kameras, acht von zehn Personen, die Ärger machen, aus dem Block zu fischen." Die Folge: Stadionverbot.
So wie beim Spiel gegen Bochum. Pünktlich zum Anpfiff zündeten die Gäste-Fans eine Rauchbombe. Trotz erhöhter Sicherheitsvorkehrungen – die Bochumer waren bereits beim letzten Auftritt im Borussia-Park auffällig geworden und reisten mit 100 gewaltbereiten Fans an – gelang es ihnen, die Zutaten für die stinkende Rauchschwade mit in den Block zu schmuggeln.
Bernhard Nießen wehrt sich dagegen, dass die Ordner nicht streng genug kontrollieren. "Die Personenkontrollen sind ausreichend", sagt er. "Sonst müssen wir bald wie am Flughafen kontrollieren und die Fans sich ausziehen." Thomas Jaspers weiß, dass der, der "böswillig etwas ins Stadion bringen will, das auch schafft". Selbst in diversen Körperöffnungen seien schon die Stangen gefunden worden, die später zu einem bengalischen Feuer gezündet werden sollten.
Überhaupt – das bengalische Feuer. "Es ist mittlerweile zu einem Sport unter den Fans geworden, dass sie so viele wie möglich im Stadion des Gegners zünden", sagt Jaspers. In seinem eigenen Stadion macht es hingegen in Deutschland kein Fan. "Weil da die Angst, erkannt und erwischt zu werden, größer ist." Um das Problem mit den Seenotfackeln, die selbst im Wasser zwei Minuten brennen und so heiß werden, dass sie "durch eine Feuerwehrjacke gehen wie ein Messer durch Butter" (Nießen), in den Griff zu bekommen, müsse ohnehin ein Umdenken stattfinden. "Es stimmt etwas nicht, wenn es auf der einen Seite als südländische Atmosphäre gepriesen, auf der anderen aber aufs schärfste verurteilt wird", sagt Jaspers. Der Fan selbst müsse verstehen, was er sich (Stadionverbot), seinen Nachbarn (gesundheitliche Schäden) und seinem Verein (Geldstrafe bis hin zur Platzsperre) antut.
Doch einige sind unbelehrbar.
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