Mönchengladbach: Brandts rudert zurück
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 27.10.2007Mönchengladbach (RPO). Zwei Tage nach seinem brachialen Alleingang in der Sitzung des Planungsausschusses versuchte Reiner Brandts gestern die Wogen zu glätten. Selbstverständlich habe oberste Priorität, dass das Forum in der Innenstadt gebaut wird. „Ich bin ein glühender Verfechter des ECE-Projekts“, versicherte Brandts gestern der RP. Und wenn die Hamburger Gruppe die Einkaufsmeile nur bauen will, wenn die Galerie ohne Autodurchfahrt direkt an C & A anschließt? „Dann müssen wir uns für ECE entscheiden“, so Brandts.
Das hatte in den letzten Tagen ganz anders geklungen. Da hatte der CDU-Sprecher im Planungsausschuss vorbehaltlos dafür gekämpft, dass der Verkehr weiter von der Viersener Straße in die Stepgesstraße fließen kann. In der Sitzung am Mittwoch attackierte er die Verwaltung heftig und zweifelte die Aussagekraft der erstellten Gutachten an. All dies wohlwissend, dass die Mehrheit seiner Partei das anders sieht. Nun sagt Brandts: „Ich habe keine Zweifel an unserer Verwaltung. Und ich will auch keine Gegengutachten.“ Er wollte lediglich einige Fragen beantwortet haben. Dazu reichten die bisher eingeholten Expertisen aus.
Auch dass die aufgeworfenen Fragen seine persönlichen und nicht die der CDU sind, stellte Brandts gestern klar. „Es war ein Fehler, das nicht deutlich zu trennen. Das will ich gerne zugeben – auch gegenüber den Fraktionskollegen am Montag“, kündigte der Ratsherr an.
Ob das die Gemüter zu beruhigen vermag, ist allerdings mehr als ungewiss. Gleich mehrere Fraktionsmitglieder haben angekündigt, in der Sitzung am Montag das unakzeptable Verhalten Brandts thematisieren zu wollen. Zumal Brandts auch bei einer Zusammenkunft in Eicken am Donnerstagabend wieder begann, sein Thema zu platzieren.
In der ersten Rage nach der Ausschusssitzung machte in der Fraktion die Frage die Runde, ob und wie man CDU-intern einen Sprecher in einem Ausschuss eigentlich abwählen könne. Doch rechnet niemand von Gewicht in der Partei ernstlich damit, dass der Alleingang unmittelbare Konsequenzen haben wird.
Mittelfristig könnte sich Brandts allerdings sehr wohl einen Bärendienst erwiesen haben. Schon länger werden innerhalb der CDU immer mal wieder zwei Fragen gestellt: Ist es richtig, dass ein Einzelner derart viele Posten innehat? Und ist es zweitens vor der nächsten Wahl ein gutes Signal, wenn einer der Vorturner fast 70 ist? Die Kritiker von Reiner Brandts trauen sich seit Mittwoch mehr aus der Deckung. Und auch mancher alte Freund schüttelt angesichts der ECE-Episode ratlos den Kopf.
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