Mönchengladbach: Brauchen wir das Pahlkebad ?
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 22.05.2010Mönchengladbach (RPO). Seit gut zwei Jahren ist das 60er-Jahre-Bad geschlossen. Die Schwimmer, darunter Schüler und Sportler, haben sich gut auf andere Bäder verteilt. Trotzdem soll in Rheydt für acht Millionen saniert werden. Und keiner fragt warum.
Als 2007 der politische Kampf ums Rheydter Pahlkebad tobte, da musste man den Eindruck gewinnen, mindestens Rheydt würde untergehen, wann es das – wirklich gelungene – Stadtbad nicht mehr gäbe. Nun ist es seit zweieinhalb Jahren geschlossen. Und wer nachfragt, stellt fest: Auch ohne Pahlkebad gibt es in unvermindertem Umfang Schulschwimmen, gibt es weiter Vereinssport und weiter Freizeitschwimmer. Sie haben sich auf die anderen Bäder verteilt, wie sich aus der Statistik leicht herauslesen lässt. Das funktioniert an manchen Stellen nur mit einigem Aufwand und auch nur, weil drei kleinere Bäder am Leben gehalten werden.
827 000 Schwimmer
Die Fakten sind unmissverständlich: 2009 zählte die NVV 827 000 Schwimmer. Im Jahr zuvor, weil der Sommer etwas kühler war und weniger ins Freibad gingen, waren es 786 000. In den letzten beiden Jahren mit Pahlkebad gingen 803 000 (2006, guter Sommer) und 676 000 Menschen schwimmen (2007, verregneter Sommer). Das heißt: Die Schwimmer sind nicht etwa in andere Städte abgewandert oder bleiben ganz zu Hause. Sie haben sich auf die anderen Bäder der Stadt verteilt. Auch das zeigt die Statistik: Das Vitusbad legte leicht zu. Am meisten gewann das neue Schlossbad in Wickrath. Was an noch etwas anderes erinnert: Mit dem neu gebauten Vitusbad und dem komplett sanierten Bädern in Wickrath und im Volksgarten leben die Mönchengladbacher nicht gerade in einer Bad-Diaspora.
Und die Schulen? Gehen jetzt mehr nach Giesenkirchen, Hardt, Morr, Odenkirchen und Rheindahlen. Die drei kleinen Bäder in Hardt, Morr und Odenkirchen sollten eigentlich geschlossen werden. Jetzt werden sie auch von den Vereinen, die Wasserzeiten brauchen, frequentiert. Wer bei den Verantwortlichen nachfragt, bekommt gar keine oder schmallippige Bewertungen. Bei der NVV mag man die Zahlen nicht kommentieren. "Wir haben den Auftrag, das Pahlkebad zu sanieren und fangen jetzt damit an", stellt Bäder-Experte Armin Marx von der NVV nüchtern fest. "Wir brauchen das Pahlkebad fürs Schulschwimmen, wenn die drei kleinen Bäder geschlossen werden", sagt Schuldezernent Dr. Gert Fischer.
Im vertraulichen Hintergrundgespräch gibt mancher dann noch zu bedenken: Da das Land Geld zusteuere, müsse die Stadt ja nur vier Millionen Euro bezahlen. Und die kleinen Bäder kosteten ja auch Geld. Stimmt: Die Betriebskosten liegen bei 700 000 Euro. Sie sind nicht mehr nötig, wenn das Pahlkebad saniert ist. In diesen Tagen beraten die Mönchengladbacher Parteien über den Haushalt. Die Rechnung über das Pahlkebad macht keine von ihnen auf.
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