Mönchengladbach: Buckelpisten: Gladbach ist Vorbild
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 28.10.2008Mönchengladbach (RPO). Göckelsweg, Abtshofer Straße, Am Schwarzbach, Windmühlenweg: Was haben diese vier Straßen gemeinsam? Die Antwort: Sie sind in einem maroden Zustand und müssen dringend saniert werden. Diese grundlegende Erkenntnis ist nicht neu für Olaf Neef. Der Leiter der städtischen Abteilung für Straßenunterhaltung kann den Zustand dieser vier Straßen und weiterer 950 Straßenkilometer in Mönchengladbach aber jetzt genau bestimmen. Möglich macht dies das Straßenkataster, das fertig ist und heute in der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses (15 Uhr, Saal im Rathaus Rheydt) präsentiert wird.
4000 Stücke überprüfen
Das heißt: So ganz fertig ist das Kataster noch nicht. Es listet zwar die schlimmsten Buckelpisten nach Noten von 5 (ganz schlecht) bis 1 (sehr gut) auf und beschreibt die Schäden. Aber das Werk sagt nicht, wie saniert werden muss. „Mitarbeiter werden sich die 4000 Teilstücke anschauen und entscheiden, was gemacht werden muss. Dann können wir das Sanierungsprogramm entwickeln“, sagt Neef.
Auf dieses Ergebnis warten mehrere Großstädte in Deutschland. Mönchengladbach ist Vorbild für diese Art der Erfassung von Straßenschäden. Die Firma Siemens hat für die Stadt erstmals eine maßgeschneiderte Software entwickelt, die – falls erfolgreich – in anderen Städten eingeführt werden soll. Düsseldorf, Krefeld, Bochum, Duisburg und Köln blicken nach Gladbach und warten gespannt auf den ersten Erfahrungsbericht. Denn nahezu alle Kommunen leiden unter einem grundsätzlichen Problem: Für zu viele schlechte Straßen gibt es zu wenig Geld, über dessen Verwendung meist Nicht-Fachleute nach eigenem Gutdünken entscheiden. In Mönchengladbach sind es oft die Bezirkspolitiker, deren Urteil meist nicht frei von speziellen Sichtweisen sind. Seit mehr als zwei Jahren basteln Techniker und Straßenkontrolleure am System. Die Angaben sind millimetergenau, die Daten beschreiben Spurrillen, Schlaglöcher, Fahrbahn-Risse und Asphaltbuckel. Heraus kommt eine Prioritätenliste, nach denen Straßen zukünftig gewartet werden und die das „Gießkannenprinzip“ ablöst. Ein Beispiel: Der Zustand der Gartenstraße wird im Kataster zwar auf rund 6500 Quadratmetern als schlecht bezeichnet, landet in der Liste aber „nur“ auf Rang 316. Mit anderen Worten: Beim Sanierungsprogramm ist diese Straße weit hinten.
Die systematische Erfassung der Straßen hat einen Nebeneffekt: Stadtkämmerer Bernd Kuckels erfährt, welchen Neu- und Zeitwert jede Straße hat. Die Hindenburgstraße steht mit ihrem aufwändigen Pflaster bei 325 Euro pro Quadratmeter, die Aachener Straße bei 125 Euro. Insgesamt hat Gladbachs Straßennetz einen Neuwert von 815 Millionen Euro: Diese Summe müsste die Stadt ausgeben, wollte sie alle Straßen neu bauen. Der Zeitwert liegt bei 464 Millionen Euro. Soll dieser erhalten bleiben, muss die Stadt jährlich 22 Millionen Euro in die Sanierung stecken. Zum Vergleich: In diesem Jahr lässt sie sich die Straßensanierung 1,6 Millionen Euro kosten. KOMMENTAR
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