Mönchengladbach: Büro-Zoff: Mitarbeiterin bestellt selbst Möbel
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 26.01.2010Mönchengladbach (RPO). Der Skandal um die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung, die wegen eines Dauerstreits mit einem Kollegen für 53 000 Euro in einem eigens angeschafften Bürocontainer untergebracht werden sollte, zieht weitere Kreise.
Nach Informationen der RP hat dieselbe Mitarbeiterin vor einiger Zeit ohne Absprache mit ihren Vorgesetzten Möbel für ihre Büros bestellt. Dies hatte allerdings für sie keine Folgen – vermutlich, weil die Verantwortlichen die Bestellung nachträglich genehmigten, um größeres Aufsehen zu vermeiden.
Den Fall kennt auch Erich Oberem, Fraktionsvorsitzender der FWG. "Das ist einfach unglaublich. Früher wäre man für so etwas sofort entlassen worden. Heute wird das Ganze offenbar auch noch von oben gedeckt", sagte er der RP. Die Verwaltungsspitze hat nun also einen weiteren Fall aus dem Bereich Grünflächen und Friedhöfe zu klären.
Gestern vermochte noch niemand etwas zu der selbsttätigen Möbelbestellung zu sagen. Falls tatsächlich der Amts- oder Fachbereichsleiter den Regelverstoß nachträglich glättete, dürfte es eine Weile dauern, den Fall aufzuarbeiten.
Für Erich Oberem offenbart das eine eklatante Führungsschwäche in der Verwaltung. Wenn es klare Strukturen und Hierarchien gebe, sei so etwas undenkbar. "Der Fisch stinkt vom Kopf her. Oberbürgermeister Norbert Bude führt nicht richtig", sagt Oberem.
Derweil hat der RP-Artikel über den Bürocontainer für viel Aufregung in der Stadt gesorgt. In Dutzenden Leserbriefen und Online-Kommentaren kritisieren die Bürger die Geldverschwendung. Viele verweisen auf den Bund der Steuerzahler, der sich dieses Falls annehmen müsste. Die Rekationen reichen von ungläubigem Staunen ("Ich lese wohl nicht richtig – das alles soll sich hier in MG abspielen?") bis zu Forderungen nach Konsequenzen ("Die zuständigen Führungskräfte bis hinauf zum Oberbürgermeister sollten zur Verantwortung gezogen werden.")
Für besonderes Unverständnis sorgt der eklatante Unterschied des Vorgehens der Stadt zu einem Wirtschaftsunternehmen. In Großunternehmen sei es völlig üblich, dass Mitarbeiter lange Wege von Büro zu Produktionsstätten zurückzulegen hätten.
Die Fachleute in der Verwaltung hatten argumentiert, der knapp einen Kilometer lange Weg vom Friedhof, wo die Mitarbeiterin interimsmäßig untergebracht ist, zum Bunten Garten sei ihr dauerhaft nicht zuzumuten. In der freien Wirtschaft werde auf Animositäten unter Mitarbeitern keine Rücksicht genommen. "Man findet immer mal eine Person, die man nicht mag", schreibt eine Leserin.
Heute soll das Thema in der wöchentlichen Konferenz des Verwaltungsvorstands erörtert werden.
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