Mönchengladbach: Bus, Bahn, Rad – der neue Trend
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 17.08.2009Mönchengladbach (RPO). Mönchengladbach ist eine Autofahrer-Stadt: Die Planer sorgten in den vergangenen Jahrzehnten für ein dichtes Straßennetz. Doch jetzt wollen Experten einen Richtungswechsel. Sie favorisieren öffentliche Verkehrsmittel. An Schärfe zunehmen wird die Diskussion um die L 19.
Wenn es in den vergangenen Wochen um Verkehrsfragen ging, dann drehte sich alles um eine Straße, die es erst in einigen Jahren gibt: die Landstraße 19. Zwar arbeiten Planer des Landesbetriebs Straßenbau NRW schon lange an einem Trassenverlauf, der – grob vereinfacht – im Korridor der Autobahn 44 und der Landesstraße 31 verläuft. Vor Anfang 2010 präsentieren sie ihren Vorschlag nicht. Bereits jetzt beharken sich L-19-Befürworter CDU und FDP auf der einen und Gegner SPD und Grüne auf der anderen Seite. Nebenher positioniert sich eine Initiative gegen die L 19. Ist das derzeit das wichtigste Verkehrsthema in der Stadt? Eigentlich nicht.
Bestnoten für Straßennetz
Denn momentan feilen Planer eines Aachener Büros an einem Verkehrsentwicklungsplan. Es ist der vierte und derjenige, der richtungweisend für Mönchengladbach wird. Fest steht bereits: Das feingliedrige Straßennetz bekam von den Planern Bestnoten. Und das bedeutet: Neue innerstädtische Straßen braucht Gladbach nicht, mit dem Auto kommt man in der Regel überall hin. Allerdings haben die Verkehrsexperten deutlich gemacht, dass sie eine andere Ausrichtung wollen. Dem Fahrrad wollen sie mehr Bedeutung beimessen, ebenso Bus und Bahn.
In früheren Jahren hätte Mönchengladbachs mächtige Autolobby dieses Ansinnen kalt lächelnd zurückgewiesen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Verkehrssicherheit, Lärmbelastung, Immissionen durch Schadstoffe – das sind heute entscheidende Kriterien. Eine Analyse ergab: Rund 120 000 Bürger sind davon betroffen und nicht mehr bereit, dies länger hinzunehmen. Außerdem zwingen neue Gesetze zum Handeln. Ein so genannter Luftreinhalteplan wird deshalb Teil des Verkehrsentwicklungsplanes, es wird außerdem einen Lkw-Routenplan, einen Radwegeplan und einen Tempo-30-Zonenplan geben. Die Politik darf sicher sein: Wenn sie mit ihren Entscheidungen nicht den Bedürfnissen der Bürger Rechnung trägt, hagelt es Proteste. Die Initiative Schürenweg, die dafür kämpft, die Verkehrsbelastung auf der Durchgangsstraße zu reduzieren, hat für einen Vorgeschmack gesorgt.
Wenn es nach den Verkehrsplanern geht, werden Autofahrer Abstriche machen müssen – vor allem zugunsten der Busse. Konkret heißt dies: Schnellbuslinien sollen Hardt, Rheindahlen, Neuwerk, Eicken, Bettrath, Rheydt und Odenkirchen anfahren. Eine Direktverbindung nach Giesenkirchen und weiter bis zur S-Bahn nach Korschenbroich ist ebenfalls vorgesehen. Viele dicke Bretter müssen gebohrt werden, damit in Eicken und an der Fachhochschule zusätzliche Zug-Haltepunkte entstehen. Ebenso schwierig wird es, Mönchengladbach zu einer Rad-Stadt zu machen: Alle Hauptverkehrsstraßen sollen so genannte Radstreifen bekommen, teilweise auf der Fahrbahn.
Sehnlichst wartet Mönchengladbach darauf, dass das dichte Autobahnnetz rund um die Stadt sechsspurig wird: Die A 52 zwischen den Kreuzen Mönchengladbach und Neersen und die A 61 von Nordpark bis Kreuz Wanlo sollen zusätzliche Fahrbahnen bekommen. Bis sie fertig sind, werden allerdings noch zehn Jahre vergeben.
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