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Mönchengladbach: Caritas-Chef muss gehen

VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 28.07.2010

Mönchengladbach (RPO). Nach dem Altenheim-Skandal, in dem auch die Staatsanwaltschaft ermittelt, hat sich die Caritas von ihrem Geschäftsführer und der zuständigen Fachbereichsleiterin getrennt. Nun setzt der Verband auf einen Neustart.

 Foto: ddp, ddp
Foto: ddp, ddp

Sie sind mit sofortiger Wirkung freigestellt: Der Geschäftsführer Otto Nieswand und die für die stationäre Pflege zuständige Fachbereichsleiterin Petra Broekmann müssen gehen.

Damit zieht der Caritasverband personelle Konsequenzen aus dem Altenheim-Skandal, in dem mittlerweile auch Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln. Die Entscheidung sei nicht leicht gefallen, sagte gestern Pfarrer Eckhard Lossen, ehrenamtlicher Vorsitzender der Caritas in der Region Mönchengladbach-Rheydt. Schließlich handele es sich bei beiden Personen um langjährige Mitarbeiter.

Man wolle auch nicht alle Schuld auf sie schieben, aber im Laufe der vergangenen Wochen und der vielen Gespräche, die geführt wurden, sei deutlich geworden, dass ohne diese Maßnahme ein dringend notwendiger Neuanfang nicht möglich sei.

"Wir versuchen, eine einvernehmliche Auflösung der Verträge zu erreichen", sagte Lossen. Mitarbeiter machen den Caritas-Geschäftsführer und die zuständige Fachbereichsleiterin dafür verantwortlich, dass es im Altenheim Giesenkirchen in den vergangenen Monaten zu den erheblichen Missständen kam: Die Atmosphäre war vergiftet, es wurde gemobbt, der Krankenstand war enorm hoch, Altenheimbewohner wurden vernachlässigt, und dann gab es noch die gravierenden Pflegefehler. In drei Fällen ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft.

Erhebliche Missstände

Wie gestern der Vorstand berichtete, habe es enorme Verständigungsprobleme zwischen den Mitarbeitern und der Führungsebene gegeben. Offenbar sei es letzterer nicht gelungen, Pflegekräfte bei Neuerungen mitzunehmen und sie zu motivieren. Stattdessen habe Misstrauen geherrscht und eine tiefe Angst, miteinander zu reden. Lossen: "Vertrauen lässt sich nicht verordnen.

Aber genau das brauchen wir, um unseren guten Namen zurückgewinnen zu können." Kommunikationsprobleme habe es auch gegeben, als nach dem Umzug des Giesenkirchener Altenheims in einen Neubau ein neues Pflegekonzept eingeführt wurde, sagte Christoph Habrich vom Caritasvorstand.

Dies sollte eigentlich dem Wohl der Bewohner und der Mitarbeiter dienen, habe aber auf die Verfechter des alten Systems demotivierend gewirkt, wie Interims-Heimleiter Stefan Rösch erklärte. Als Folge verließen einige Mitarbeiter die Caritas, andere wurden krank. Dies wiederum führte dazu, dass Bewohner von ständig wechselnden Pflegekräften betreut wurden.

Rösch, der bei der Beratungsfirma Contec beschäftigt ist und im Auftrag der Caritas im Altenheim Giesenkirchen die kommissarische Heimleitung übernommen hat, bezeichnet die anfängliche Stimmung unter den Mitarbeitern mit "zutiefst verunsichert". Keiner habe gewusst, wer was tun muss. Dazu seien die ständigen Kontrollen von Heimaufsicht und Medizinischen Dienst gekommen. All dies habe die Mitarbeiter unter enormen Druck gesetzt. Nun sei es oberste Priorität, dass alle Pflegekräfte Risikosituationen erkennen und genau wissen, wie sie handeln müssen.

Bedankt hat sich der Caritas-Vorstand gestern bei allen Mitarbeitern, die trotz der schwierigen Situation engagiert gearbeitet haben und weiterhin zum Verband stehen. "Ohne sie", so Lossen, "würden wir den Neuanfang nicht wagen".

Quelle: RP

 
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